Von Kopfweiden und Steinkauzen in Willich

Fleuth 1Wenn man am  Münchheidener Graben spazieren geht, oder dem Fleutbach (Flöth), auf seinem ca. 16 km langem Lauf ein Stückchen durch Willich folgt, entdeckt man wunderschöne alte Kopfweiden, die sich links und rechts an diesen schmalen Bachlauf schmiegen. Der Bachlauf beginnt auf der Dickerheide fließt an Weckeln vorbei über Klein Kempen nach Anrath und verlässt bei Clörath  Willicher Gebiet um dann in Oedt in die Niers zu fließen. 
Diese Typische Niederrheinische Landschaft ist erhaltenswert und mit seinen Kopfweiden ein idealer Lebensraum für Fledermäuse und Steinkauze.

 

Fleuth 2Was wäre das niederrheinische Landschaftsbild ohne ihre typischen Kopfweiden. Schon im 13. Jahrhundert gibt es diese spezielle Art der Baumform. Weiden wurden in Kopfhöhe abgeschnitten, damit sie neu austrieben und diese Triebe zu Korbflechtarbeiten, dem Fachwerkbau, für Gerätestiele  oder Brennholz genutzt werden konnten.  Durch die angenehme Arbeitshöhe ließen sich die Triebe gut erreichen und wirtschaftlich nutzen. Für die Bauern, die diese  Weiden an Entwässerungsgräben pflanzten, waren die Triebe ein Nebenerwerb.

 

Kopfweidentriebe finden heutzutage nur noch selten wirtschaftliche Verwendung. Damit die Bäume Fleuth 3 unter der Last der Äste nicht auseinander brechen, kümmern sich der NABU um viele dieser Kopfweiden. Das Material wird meist geschreddert, oder wenn möglich als Benjeshecke aufgeschichtet. In einem Zeitraum von 5 – 8 Jahren ist ein regelmäßiger Pflegeschnitt (Schneiteln) nötig, damit die Standfestigkeit der Bäume erhalten bleibt.
In diese Schnittstellen, die bei der Pflege entstehen, dringen Pilzsporen und Wasser ein. Die Fäulnis bewirkt, daß das Kernholz zerbröselt und sich Höhlen für viele Vogelarten wie zB. Zaunkönig, Bachstelze, Gartenrotschwanz oder Kleinsäuger bilden.

Die bekanntesten Weidenarten sind wohl die Korbweide (Salix viminalis) und die Mandelweide (Salix triandry). Sie sind mit ihren besonders zähen und biegsamen Zweigen sehr gut für die Korbflechterei geeignet. Die Gattung Salix umfasst ca. 300 verschiedene Arten. Die Salweiden erreichen ein Alter von etwa 60 Jahren. Silberweiden werden ca. 80 - 100 Jahre alt. Werden diese Weiden zu Kopfweiden gestutzt und regelmäßig geschnitten erreichen sie ein vielfaches dieses Alters.

 

Fleuth 4Die Kopfweiden besitzen mit ihrem Moderholz auch eine herausragende Bedeutung für viele seltene mulmbewohnende Kleintiere. Weiden zählen zu den insektenreichsten Pflanzen überhaupt. Alleine über hundert Käferarten besiedeln Weiden und viele von ihnen besonders gerne die geköpften Weiden. Dieses sind zB. Moschusbock (Aromia moschata), Pappelbock (Gattung Saperda) und Weidenbock (Rhamnusium bicolor. Die Weiden bilden zu jeder Jahreszeit Rückzugsinseln und Lebensraum für eine Fülle von Tierarten.

Auch die Larven der Schmetterlinge vom Weidenbohrer leben in Weiden. Die Raupen des Weidenbohrers (Cossus cossus), einem Nachtfalter, wohnen zwei Jahre in den Stämmen oder dicken Ästen von Weiden.

Die Weidenlibelle (Lestes viridis) legt ihre Eier in die Rinde der am Wasser stehenden Weiden oder Erlen. Die aus ihnen schlüpfenden Larven fallen herab und versuchen durch schlingernde Bewegungen ins Wasser zu kommen, wenn sie nicht schon direkt ins Wasser gefallen sind.

 

Mythologie:

Wer hat es nicht schon erlebt, an einem nebligen Herbstmorgen eine fürchterliche Gestalt mit aufgedunsenem Kopf und wild zu Berge stehendenFleuth 5 Haaren vor sich aus dem Nebel auftauchen zu sehen? Um dann festzustellen, daß es keine Hexe, sondern eine Kopfweide war... Suchen Sie Ihre nächste Kopfweide einmal bei Nebel auf, und Sie werden die Verbindung von Weiden und Hexen verstehen: Die Weide war der Hexenbaum, und wenn eine Frau nachts in ihrer Nähe gesehen wurde, war sie verdächtig...

In vielen Sagen und Rechtsbräuchen erscheint die Weide als Baum der Unfruchtbarkeit, der Ehrlosigkeit, der Trauer und des Todes. Gespenster verwandeln sich in Weiden und Weidenzweige benutzen Hexen als Zepter.

In Überlieferungen wird berichtet, das man durch Verknotung von drei Weidenzweigen Krankheiten auf diesen Baum überträgt und dadurch gesund werden kann.

Wo heute alte Kopfweiden stehen, wartet auf uns noch ein Rest Wildnis... Ihr Auftreten erinnert uns damit symbolisch an bedrohte Feuchtbiotope

 

 

 

 

 


Fleut 6Bei abendlichen Spaziergängen entlang der Willicher Flöth oder dem Münchheidener Graben, kann man speziell während der Balzzeit im Februar und März den unverkennbaren Rufe des Steinkauzes hören. Er besteht aus einem weichen, lang gezogenem "guhk". Der Warn- und Erregungsruf ist bei beiden Geschlechtern ein grelles, durchdringendes "kwiu",  Mit gutem Auge entdeckt man ihn, auch wenn er gut getarnt im Baum sitzt. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt diese kleine Eule mit ihrer Jagdaktivität. Feldmäuse sind für sie ein Leckerbissen. Sie frisst aber auch gerne Kriechtiere wie Regenwürmer oder Lurche.

 

Fleuth 8Er ist einer der entzückendsten Käuze vor allem wegen seines drolligen Verhaltens. Wenn er mit seinen schwefelgelben Augen neugierig aus dem Nistkasten schaut oder wenn er seine Erregung durch lebhaftes Rufen und sein typisches Knicksen ausdrückt, wirkt er wie ein kleiner Kobold

 

 

 

 

 

 

 

Fleuth 7Damit der Lebensraum dieser liebenswürdigen Käuzchen erhalten bleibt, baut der NABU Willich  auch Steinkauznistkästen und bringt diese an geeigneten Stellen wie Streuobstwiesen oder Bäumen mit ausgedehnten Grünlandflächen an.

 

 

 

 

 

 

Fleuth 9

Zur Pflege und dem Erhalt sowie Montage neuer Brutmöglichkeiten sucht der Nabu Willich Helfer, die mit Freude und Engagement in ihrer Freizeit etwas in der Natur machen möchten. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Bestand dieser Eulenarten in der Region zu halten und zu vergrößern. Dazu benötigen wir auchIhre Unterstützung.