Hornissen sind keine Kuscheltiere

aber so gefährlich wie oft angenommen sind diese nützlichen und unter besonderem Naturschutz stehenden Insekten nicht.

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Marco Brackelmanns aus Viersen ist kein ängstlicher Typ, aber jedes Mal wenn er das Garagentor öffnete, gab es Erschütterungen an einem Hornissennest, denn ein Hornissenvolk hatte es sich in einer Ecke seiner Garage gemütlich gemacht. Die Hülle um das Nest hatte schon Fußballgröße und der Bau dehnte sich immer weiter nach unten aus.
Die Nachbarn fürchteten von diesen durch Erschütterung gestörten Hornissen gestochen zu werden.
Den richtigen Ansprechpartner für sein Problem zu finden, gestaltete sich für M. Brackelmanns recht schwierig. Nach mehreren Telefonaten landete er bei der Unteren Landschaftsbehörde in Viersen, die für diese, unter Naturschutz stehenden Tiere zuständig ist.

Frau Monika Deventer von der Unteren Landschaftsbehörde, die diesen Fall bearbeitete, zog Harry Abraham vom Willicher NABU zu Rate.

 

 

 

 

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Mit seiner speziellen Ausbildung und Ausrüstung kann H. Abraham Hornissen umsiedeln, ohne dass diese Tiere Schaden nehmen. Das Nest war gut zugänglich und so gestaltete sich das Absaugen recht problemlos.
Mit schwachem Unterdruck wurden die Hornissen in eine Umsiedlungsbox gesaugt. Bei diesem Vorgang war es wichtig, das die Königin das Nest nicht verlassen konnte.
Ohne Altkönigin  werden gegen Ende der Saison, also im Herbst, keine Jungköniginnen geboren.
Jungköniginnen für die nächste Generation hervorzubringen ist die wichtigste Aufgabe des Hornissenvolkes, da dieses nur ein Jahr lebt.
Die Arbeiterinnen und Drohnen (Männchen) sterben im Herbst, die Jungköniginnen überwintern an einer geschützten Stelle, um im nächsten Frühjahr ein neues Volk zu gründen.
Wird ein Hornissennest vernichtet ist es ein radikaler Eingriff in den natürlichen Verlauf der Artenvielfalt. Schadinsekten nehmen zu und oft kommt dann die Chemische Keule zum Einsatz.
Das  Hornissennest wurde in einem Waldstück, welches frei von Publikumsverkehr ist, aufgehangen. Das Volk entwickelt sich prächtig und steht weiterhin unter der Obhut des Naturschutzbundes.

 


Im August  - September erreichen die Völker dieser Großwespen ihre höchste Kopfstärke.
Hornissen sind die Gesundheitspolizei in der Insektenwelt. Ihr Nachwuchs wird mit Schadinsekten z.B. Raupen des Eichenwicklers gefüttert. Sie jagenSpinnen, Wespen, Wild- und Honigbienen. Die Hornissenlarven benötigen eiweißreiche Nahrung und so kann es auch schon mal vorkommen, dass Hornissen sich ein Stückchen vom Grillfleisch abbeißen. Ihre Hauptnahrung besteht jedoch aus Fliegen die sie nach erfolgreicher Jagd an Ort und Stelle filetieren und dann ins Nest bringen.
Viele Menschen wissen nicht, dass der Stich einer Hornisse nicht gefährlicher ist, als der einer Wespe oder Biene.

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Respektiert man den Nestbereich und kommt den rasanten Fliegern nicht zu nahe, so dass sie sich angegriffen fühlen, lässt es sich gut mit ihnen leben. Vergleicht man das Flugverhalten der gewöhnlichen Wespe und das der Hornisse, so wird man feststellen, dass die gewöhnliche Wespe eher wie ein Hubschrauber fliegt, die Hornisse dagegen wie ein Düsenjäger. Steht man z.B. in der Einflugschneise zum Nest, prallt die Hornisse unweigerlich gegen das Hindernis. Sie kann bei ihrer Geschwindigkeit zum Heimatflughafen nicht mehr ausweichen. Bei Orientierungsflügen mit niedriger Geschwindigkeit inspiziert sie sehr genau die Örtlichkeit und kann kolibriähnlich fliegen. Bei Flugstörungen durch andere Hornissen aus dem Nest, stürzen diese schon mal ab, fangen sich aber wieder während des Falls, um in eine stabile Fluglage zu kommen. Ein Hornissennest zu beobachten ist ein Erlebnis.

Aus von Vögeln beschädigten reifen Früchten saugen sie gerne Saft. Matschiges Fallobst kommt ihnen da sehr entgegen. Birnen, Pflaumen, Mirabellen oder Pfirsiche sind ein Leckerbissen. Dem Saft blutender Bäume können sie nicht widerstehen.
Das Nahrungsspektrum entspricht dem von normalen Wespen, allerdings sind sie so nützlich wie drei Meisenpärchen die ihre Brut füttern. Die Beute eines mittelgroßen Volkes von etwa 300 bis 400 Tieren beträgt  ein halbes Kilogramm Insekten je Tag. Da sie auch in der Dämmerung fliegen können, tragen sie so neben den Fledermäusen auf sehr spezielle Weise zur natürlichen Insektenvertilgung und somit auch zum Gleichgewicht in der Natur bei.

NABU Willich

 

Hornissenumsiedlung in der Aktuellen Stunde/Lokalzeit

im WDR Fernsehen

 

WDR

In einer Schule in Süchteln/Viersen hatten sich die Hornissen, die Zwischendecke einer Pausenhalle ausgesucht. Eigentlich ideal für die größte Wespenart, die wir in Mitteleuropa haben.
Doch es kam zu Problemen zwischen Schülern und Hornissen und so wurde der Antrag gestellt, dieses Nest an einen sicheren Ort umzusiedeln.
Allerdings kann man ein Hornissennest nicht wie einen Bienenstock behandeln.
Die Verteidigungsbereitschaft der Arbeiterinnen sollte man nicht unterschätzen. Ein Imker weiß wann und wie er sich seinen Bienen nähert ohne gestochen zu werden. Hornissen kann man nicht so genau einschätzen, da Störungen von Menschen, die Erschütterungen hervorrufen, als Angriff auf das Nest gewertet werden. Mit der richtigen Ausrüstung und guter Vorbereitung, lassen sich diese Nester von Spezialisten schonend umsetzen.

 


Ein Hornissenstich ist nicht gefährlicher als der Stich einer Biene, Wespe oder Hummel. Häufig wird die mehr oder weniger starke Schwellung nach Bienen- und Wespenstichen als allergische Reaktion interpretiert, was in aller Regel nicht zutrifft. Bei echten Bienen- / Wespenstich- Allergien handelt es sich um eine Eiweißallergie, die nichts mit dem Gift zu tun hat und die mehr oder weniger gleich stark von sämtlichen Hautflügler-Stichen hervorgerufen werden kann.
Hornissen sind friedlicher als manche Menschen glauben, doch sollte man ihnen mit Respekt begegnen.

Hornissen sind in einigen Regionen Mitteleuropas vom Aussterben bedroht. Bei uns in Deutschland gab es Anfang der achtziger Jahre einen Tiefstand. Seit 1987 sind Hornissen als besonders geschützte Art im Bundesnaturschutzgesetz/Bundesartenschutzverordnung aufgeführt. Darüber hinaus stehen sie in der Roten Liste als "gefährdete Art".