72 Kein Blog? Kein Regen? Kein Wald?

Wälder stehen derzeit sehr unter Druck. Hierzu ein paar Fakten.

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Wälder stehen derzeit sehr unter Druck - in Deutschland und weltweit. Hierzu ein paar Fakten.
Ferner gab es dieses Jahr bisher nur wenige Blogs; warum?

In diesem Jahr gab es bisher hier leider erst zwei Klimablogs. Das liegt wesentlich daran, dass auch die Familie Zeiterfordert: Wichtiger als sein Möglichstes zu tun, die Welt für die Enkelkinder zu bewahren ist, alles dazu beizutragen, dass diese zu starken und lebensfrohen Menschen heranwachsen, die in der Welt zurecht zu kommen, die wir ihnen in prekärem Zustand überlassen werden. 

Allerdings gab es über die Sommerzeit auch wenig Anlass für aktuelle Blogs (das Wetter sprach zudem die deutlichsten Worte). Der Rat Krefeld hat am 6. Juni 2026 erfreulicherweise die „Kommunale Wärmeplanung“ beschlossen, was ein sehr wichtiger Schritt war!!! (Der Plan ist einsehbar unter https://www.krefeld.de/waermeplanung - es gibt dort auch Links zu eigenen Schritten). Allerdings bleiben, durch aktuell zum Teil noch nicht abgeschlossene Bundesgesetzgebungim Energiebereich, noch viele Fragezeichen bei der Umsetzung – sowohl, was die gesetzlichen Grundlagen angeht, als auch, was die Motivationslagen von Privatpersonen und öffentlichen Akteuren betrifft. Nur als Beispiel: Wenn aufgrund des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) nun deutlich mehr Menschen auf die (dumme) Idee kämen, neue Gas- oder Ölheizungen einzubauen, würde der Ausbau der Fernwärme schwieriger, da Kunden ausdünnen. (Warum das eine dumme Idee wäre, steht im Wesentlichen schon in Blog 29, und es wird durch die nun geplante Beimischung von teurem Biogas nicht schlauer; zum Glück scheint das die Mehrheit zu realisieren). Auch sind noch einige Bundesgesetze und Verordnungen in Arbeit, die in direkter Weise den Ausbau der Fernwärme fördern oder behindern könnten. Erfreulicherweise sind die SWK immer noch sehr motiviert, den Ausbau voranzutreiben. Über all das wird noch detaillierter zu sprechen sein, wenn die Faktengrundlage klarer ist. 

Auch die Umsetzung von weiteren Zielen des Klimakonzeptes „KrefeldKlima2035“ schreitet fort („Klimaschutzmonitoring 2026“ der Stadt: https://ris.krefeld.de/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZdVd2_-fxOSA-d0925jbcTE ). Die ständigen Änderungen der Gesetzeslage bremsen aber. Zudem werden manche Arbeiten besser zunächst im Stillen vorbereitet, bevor sie schon im Vorfeld öffentlich zerredet werden. Manche Parteien scheinen damit Wähler gewinnen zu wollen, obwohl Umfragen weiterhin deutliche Mehrheiten für aktiven Klimaschutz belegen, die angesichts des „Hitzejahres 2026“ sogar wieder zunehmen. Zudem spricht die Versorgungssicherheit seit Ukrainekrieg und Irankrieg immer stärker für eine Abkehr von fossilen Energiequellen

 

Privatleute können rechnen

Jetzt sind auch die Privathaushalte gefragt: Wärmepumpen, Solaranlagen und Elektroautos sollten nun schnellstmöglich an die Stelle fossiler Gerätschaften treten. Alle drei Technologien rechnen sich (Wärmepumpen z.B.: https://www.pv-magazine.de/2026/08/27/waermepumpen-sind-der-biotreppe-ueberlegen/?logged-in=1788540463 , https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/neue-studie-e-auto-im-betrieb-33-guenstiger-als-verbrenner/ , solar z.B. auch mit neuem EEG-Gesetz https://www.pv-magazine.de/2026/08/24/das-eeg-2027-veraendert-den-photovoltaik-markt-aber-anders-als-viele-befuerchten/ ). Allerdings erfordert es zu Anfang eine Investition und die Ersparnis kommt erst über die Jahre. Das schreckt viele Menschen ab – leider! Der Umwelt, der lokalen Wirtschaft und dem eigenen Geldbeutel könnte geholfen werden. Zum Glück wird dies zunehmend erkannt. 

 

Viele positive Entwicklungen weltweit

Das bringt mich zu ein paar Schlaglichtern zur allgemeinen Lage. In Blog 70, zum „Auftakt 2026“, habe ich zahlreiche positive Entwicklungen angedeutet, die sich inzwischen bestätigen. Die Kostendegression umweltfreundlicher Technologien verhilft zu enormen Entwicklungssprüngen:

- Bei der Solarenergie erreichen viele Länder hohe Ausbauraten (https://www.wri.org/insights/countries-scaling-renewable-energy-fastest ). Ganz im Stillen macht nun auch Afrika einen gewaltigen Sprung nach vorne (https://ember-energy.org/latest-insights/the-take-off-in-african-solar-that-official-statistics-cant-yet-see/ ). 

- Bei der Elektromobilität kommt es seit dem Irankrieg zu sprunghaften Zulassungszunahmen weltweit. Autofahrer weltweit leiden unter hohen Spritpreisen - und die Chinesen haben E-Autos im Überschuss produziert, die sie preiswert in Übersee verkaufen wollen. In Deutschland gibt es auch einen Zulassungssprung im zweiten Quartal 2026 (https://www.welt.de/motor/news/article6a7b2ebd0e3689919ec77ffe/marktanalyse.html ). Die Wirtschaftlichkeit steigt inzwischen sichtbar. E-Autos sind im Verbrauch billiger. Hinzu kommen deutlich geringere Wartungskosten. Und langsam fällt auch der bisherige große Nachteil weg: In Großbritannien waren neue E-Autos im April 2026 erstmals im Durchschnitt sogar billiger als neue Benziner (https://www.theguardian.com/environment/2026/apr/17/new-uk-electric-car-price-petrol-ev-autotrader ). Zusammen mit den stark gestiegenen Spritpreisen beschleunigt dies den ohnehin laufenden Umstieg erheblich.

- Bei den Wärmepumpen ist die Entwicklung noch etwas uneinheitlicher, aber auch hier zeichnet sich der Wendepunkt ab. In Europa stieg der Absatz 2025 bereits um 11 %, in Deutschland sogar besonders stark – erstmals wurden hier mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft. (Die Bürger scheinen also wenig auf die „Gasheizungsverlockung“ des GModG hereinzufallen; s.o.). Im ersten Halbjahr 2026 zogen die Zahlen deutlich an: 40% mehr Wärmepumpen als im ersten Halbjahr 2025 (https://www.bdh-industrie.de/presse/pressemeldungen/artikel/heizungsmarkt-legt-zu-waermepumpen-setzen-positive-impulse ). Mit steigenden Gaspreisen und weiter sinkenden Kosten für Wärmepumpen dürfte sich diese Entwicklung nun in immer mehr Ländern beschleunigen.

- Noch dynamischer entwickeln sich Batteriespeicher. Weltweit wurden 2025 bereits 108 GW neue Speicher installiert – rund 40 % mehr als im Vorjahr. Damit ist Batteriespeicherung inzwischen die am schnellsten wachsende Stromtechnologie und die Batteriekosten sinken weiter. Dies ermöglicht nicht nur immer günstigere Elektroautos, sondern auch einen rasanteren Ausbau von Speichern für Solar- und Windstrom. Die Strompreise sinken, da Erzeugungslücken immer weniger mit teurem Gasstrom überbrückt werden müssen. In Spanien ist das schon deutlich erkennbar, in Deutschland mehren sich die Anzeichen, dass auch hier die Strompreise sehr bald sinken werden. Jede Rückkehr zu Atom und Kohle wäre wirtschaftlich und klimatisch völlig kontraproduktiv. 

 

Allerdings müssen wir bei der Geschwindigkeit noch zulegen! Selbst diese wirklich positiven Entwicklungen im Elektrizitätsektor reichen leider noch nicht, um bis 2030 weltweit angepeilte 57 % der Elektrizität aus regenerativen Quellen zu produzieren (Ende 2025 waren es 17,4%). So viel wäre nötig, um die Klimaziele nicht allzu sehr zu verfehlen. Beschleunigung ist nötig – und zum Glück, was den Technologieausbau angeht, auch noch möglich. Da kann jeder etwas beitragen. 

 

Große Sorgen macht aber gerade jetzt der Wald weltweit

In Krefeld ist es kaum zu übersehen: Die extreme Hitze und Trockenheit der letzten Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Überall vertrocknete Bäume – gut sichtbar auf den Böschungen entlang der Autobahnen (wie passend), wo die Trockenheit besonders zuschlug. Viele werden vermutlich im nächsten Jahr nicht erneut austreiben. Naturverjüngung und Neupflanzungen werden (hoffentlich) die Lücken füllen. Dies ist auch in den zunehmend größeren Waldbrandgebieten normalerweise der Fall. Allerdings zeigt sich, dass die Schäden aufgrund der häufigeren und größeren Hitze, der längere Trockenperioden und durch häufigere und ausgedehntere Brände größer sind als früher. Wiederholte Hitzeperioden sind deutlich schädlicher als eine – und Waldbrände haben eine neue Dimension angenommen (https://www.bloomberg.com/graphics/2026-europe-summer-wildfires/?ai=eyJpc1N1YnNjcmliZWQiOnRydWUsImFydGljbGVSZWFkIjpmYWxzZSwiYXJ0aWNsZUNvdW50IjowLCJ3YWxsSGVpZ2h0IjoiMCJ9). 2027 könnte für die Biosphäre – nach den Hitzewellen 2026 - ein gefährlicher Doppelschlag werden (https://www.n-tv.de/panorama/El-Nino-koennte-die-Welt-monatelang-so-schlimm-wie-nie-plagen-id31265170.html ). 

Für den Mittelmeerraum zeigen nun Untersuchungen, dass Wald vielerorts nur noch durch Buschaufwuchs ersetzt wird (https://nph.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nph.16252 ). Das Gleiche zeigt sich in Kalifornien (https://www.nytimes.com/interactive/2023/03/06/climate/california-zombie-forests.html ) und anderen Wäldern Nordamerikas (https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aeg5802 ). Auch der südliche Rand der borealen Wälder Eurasiens kann sich bei dem erwärmten Klima nicht mehr regenerieren (https://www.nature.com/articles/s43247-023-00910-6 ). Vom Amazonas ist bekannt, dass das Risiko des Umschlags weiter Teile des größten Regenwaldgebietes der Erde in Buschsavanne, schon bei einem Temperaturanstieg von 1,5 bis 1,8 Grad rasant wächst, wenn 22-28% abgeholzt werden und damit der Wasserkreislauf kollabiert (https://www.nature.com/articles/s41586-026-10456-0 ). Die Abholzung liegt derzeit bei ca. 17- 20% (https://www.nature.com/articles/s41467-025-61856-1 ) – das Fortschreiten ist erfreulicherweise unter Präsident Lula 2026 deutlich gebremst (aber nicht gestoppt) worden. Bedrohlich ist aber auch dort der „Doppelschlag“ durch die extreme Dürre 2024/2025, gefolgt von nun drohendem erneuten Ungemach durch den Super-El Nino 2026/2027 (https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-09-09/brazil-s-amazon-faces-return-of-drought-as-new-el-nino-builds ).

Für die deutschen Wälder ist die Forschung noch unvollständig. Es scheint, als würde sich die Zusammensetzung des Naturaufwuchses zwar ändern (v.a. Laubwald statt Nadelwald), was in der Regel als willkommene Klimaanpassung gesehen wird. Andererseits könnte es hier regionale Unterschiede geben, z.B. sandigerer Boden in den östlichen Landesteilen. Hier könnte größere Hitze und Trockenheit Naturaufwuchs stärker bremsen. Und auch unsere Autobahnböschungen sehe ich kritisch: Sollte 2027 mit El Niño noch wärmer als 2026 werden, wie soll da Baumaufwuchs Fuß fassen können? Und werden Bäume, die dieses Jahr knapp überstanden haben, ein weiteres Trockenjahr noch überstehen? Das Klima „wandert“ in Deutschland jährlich ca. 0,5 bis 3 km nach Norden (https://www.nature.com/articles/s41598-019-38720-6?utm_source=chatgpt.com ). Haben die Bäume so lange Beine? 

Zu den meisten Waldregionen gibt es noch gar keine Untersuchungen. Welche Folgen weltweiter großflächiger Waldverlust für Klima, Sauerstoffproduktion, Biodiversität und Wirtschaft hätte, mag ich mir ungern ausmalen. Seine wichtige Funktion als CO2-Senke kann der Wald jedenfalls immer weniger erfüllen. Ich wünschte, die AFD hätte recht, wenn sie zu den Hitzeextremen bagatellisierend wiederholt: „Früher nannte man das Sommer......“.

Es gab solch ein Wald-Szenario tatsächlich schon einmal: Am Ende des Erdzeitalters „Trias“, vor 201 Mio. Jahren, stieg der CO2-Gehalt der Luft aufgrund von Vulkanismus im Laufe mehrerer Jahrhunderte stark an. Die Temperaturen stiegen (im Lauf von Jahrtausenden) um ca. 4-5 Grad, große Dürre breitete sich aus. Das führte zu großflächigen Waldbränden, die nach und nach die Wälder vernichteten. Hinzu kam, dass großblättrige Bäume offenbar empfindlicher auf hohe CO2-Spiegel reagieren und anfälliger werden (auch heute wieder relevant) als z.B. Farne (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28334286/ ). Aufwuchs von rasch wachsenden Farnwäldern war die Folge, die noch besser brannten. Über hunderttausende von Jahren brannte die Erde (https://www.n-tv.de/wissen/Farne-befeuerten-jahrtausendelange-Braende-in-Europa-id31128053.html , https://www.nature.com/articles/s41561-026-02048-4 ). Es war das vierte der (bisher) fünf großen historischen Artensterben der Erde. Ganz allmählich führten schließlich saurer Regen und verstärkte Gesteinsverwitterung zu vermehrter Auswaschung von Kalzium und Magnesium aus Silikatgestein und damit Bindung von Kohlenstoff in Form von Karbonaten (Kalkstein). Verkohltes biologisches Material wurde unter Wasser begraben und in Sedimenten eingeschlossen und entzog damit weiteren Kohlenstoff aus der Luft. Es begann eine gewisse Abkühlung, die wieder dauerhaftere Vegetation ermöglichte, die wiederum weiteres CO2 band - bis die Erde nach vielen weiteren hunderttausend Jahren wieder bewohnbarer wurde und die Dinosaurier sie zu bevölkern begannen. Dann fiel vor 60 Mio. Jahren ein Komet auf Yucatan und verursachte das bisher letzte (historische) Massensterben. Und als die Erde sich endlich wieder erholt hatte, nutzte der Mensch die relative Klimastabilität der letzten 10.000 Jahre und erlebte eine nie dagewesene zivilisatorische Blüte. Leider buddelte er auch den alten, von der Natur mühsam unter der Erde verstauten, Kohlenstoff wieder aus und verbrannte ihn als Kohle, Öl und Gas. Damit schaffte er die Hälfte des Temperaturanstiegs des Trias in einem Bruchteil der Zeit (in rund 150 Jahren) und ist auf dem besten Weg, die zweite Hälfte in noch kürzerer Zeit zu schaffen. Alles deutet auf einen rekordverdächtigen Start in das sechste Massensterben hin – wenn wir nicht so intelligent wären, die Ursache zu erkennen. 

Bitte helfen Sie mit, das zu verhindern! Und entschuldigen Sie den negativen Ausklang. Ich würde es (auch) gerne verdrängen. Aber ich denke immer, wenn alle das wüssten, würde mehr unternommen. Viele wissen es vielleicht einfach nicht.......?

Ich verspreche: In den nächsten Blogs soll es wieder konkreter werden: Was ist möglich? Was ist angedacht? Was machen die Behörden? Was kann jeder tun? Wer und was hilft dabei?