Viele setzen heute ihre Hoffnung auf Wasserstoff
Wie in den letzten beiden Beiträgen erläutert sind Wärmeplanung und Fernwärme wichtige Elemente einer nachhaltigen Wärmeversorgung. Es gibt diesbezüglich aber zwei „Glaubensrichtungen“:
- Die einen hoffen darauf, dass eine rasche Umstellung auf regenerative Energiequellen eine günstige Versorgung durch Fernwärme sicherstellen wird und diese deutlich ausgebaut werden wird und muss.
- Die anderen glauben, dass die Verbrauchssenkungen durch Dämmung, Effizienzsteigerungen etc. dazu führen wird, dass die Verteilung von Fernwärme zu teuer wird und diese nicht mehr wirtschaftlich ist. Sie glauben, dass diese nur eine begrenzte Zukunft haben wird und stattdessen eine breite Wasserstoffversorgung an die Stelle der heutigen Gasversorgung treten wird.
Im Gutachten "KrefeldKlimaNeutral 2035" werden die beiden „Glaubensrichtungen“ wohl ansatzweise durch die beiden Wärmeszenarien „all-electric“ und „H2“ repräsentiert.
Es ist schwierig, hier in die Zukunft zu blicken (ähnlich wie bei der Frage, ob die Zukunft des Autos elektrisch oder wasserstoffbasiert sein wird).
Europa ruft lautstark nach Wasserstoff!
Was den Wasserstoff angeht, so wird dieser langfristig mit absoluter Sicherheit eine tragende Rolle bei der Energiebereitstellung spielen. Entsprechend vollmundig sind die Willensbekundungen der Politik weltweit, wobei es sicherlich auch um den Kampf um zukünftige Pfründe bei der Umsetzung geht – nachdem wir die Solartechnik bereits "an China verloren“ haben.
Aber der Weg dahin wird noch lang sein!!!
- - Es gibt bisher – im Vergleich zum prognostizierten Bedarf und den Ankündigungen – nur winzige Pilotprojekte. Weltweit sind 600 MW Elektrolysekapazität in Betrieb, das 6000fache müsste bis 2050 erreicht werden. Zahlreiche Großprojekte sind Pressemeldungen zufolge in Planung. Auf dem Weg sind aber noch zahlreichen Hindernisse zu überwinden.
- - Aus der Industrie wird zwar großes Interesse signalisiert aber gleichzeitig besteht noch Zurückhaltung bei konkreten Investitionen, da der Wasserstoffpreis kaum prognostizierbar ist. Für 80% der angekündigten Projekte ist noch keine Investitionsentscheidung getroffen worden.
- - Bei den Internationalen Großprojekten wird oft Nordafrika genannt. Die ausführliche MENA-Studie („MENA-Fuels“ von DLR, IZES und Wuppertal-Institut) sieht hier aber noch einen weiten Weg und viele Hindernisse. Überhaupt gilt für Projekte in Ländern mit wirtschaftlichem Aufholbedarf, dass zunächst der Eigenbedarf vor Ort gedeckt werden muss.
- - Eine wissenschaftliche Studie zu der Ausbaugeschwindigkeit der Wasserstofftechnik in der Zeitschrift „Nature“ (link unten) belegt mit Hilfe eines Technologiediffusionsmodells, dass maximal 1% des in Europa benötigten „grünen Wasserstoffs“ bis 2030 bereitgestellt werden kann, weltweit erst bis 2035. Die Ausbaugeschwindigkeit z.B. von Photovoltaik müsste um das zig-fache übertroffen werden. Die Studie kommentiert: „Kurzfristige Knappheit, langfristige Unsicherheit“.
Es ist also durchaus unsicher, ob überhaupt die europa- und bundesweiten Hoffnungen realisiert werden können.
Krefeld wird sich aber sicherlich hinten anstellen müssen.....
Wann wir aber am Ende in Krefeld einen ausreichend großen Teil vom Kuchen zu einem vertretbaren Preis bekommen, steht in den Sternen. Für „KrefeldKlimaNeutral 2035“ wird Wasserstoff aus der Sicht des NABU keine Rolle spielen. Das „H2-Szenario“ ist unrealistisch.
(MENA-Studie, ausführlich via: https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/789
Natur-Studie: Probabilistic feasibility space of scaling up green hydrogen supply; https://www.nature.com/articles/s41560-022-01097-4