Das Wissenschaftszentrum der „Scientists for Future“ hat ein Policy-Paper zur Nutzung von Wasserstoff veröffentlicht (https://info-de.scientists4future.org/wasserstoff-in-der-energiewende).
Grundsätzlich lasse sich Wasserstoff (H2) wie Erdgas in Pipelines oder Tankschiffen transportieren und in Tanks oder Kavernen speichern. Das suggeriere, dass grüner, also elektrolytisch mit regenerativem Strom CO2-frei erzeugter Wasserstoff alle Aufgaben übernehmen könnte, für die heute fossile Rohstoffe eingesetzt würden. Der Eindruck trüge, denn für viele Zwecke sei Wasserstoff energetisch ineffizient und viel zu teuer.
Verbreiteter Zweckoptimismus der Erdgasnetzbetreiber
In einigen Studien der Erdgasnetzbetreiber werde Zweckoptimismus deutlich: So gehe der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches DVGW, der unter seinen Mitgliedern über 2.000 Versorgungsunternehmen versammele, nicht von einer Knappheit an Wasserstoff aus. Es wird dabei eine Importquote von 90% angenommen – wie heute bei Gas und Öl. Wasserstoff werde sogar für Heizzwecke propagiert. Es werde aber nicht belegt, wann und woher der Wasserstoff denn konkret kommen solle (siehe auch Blog 10).
Sinnvolle Nutzung von Wasserstoff:
Wasserstoff werde benötigt, um Ammoniak und Methanol als Grundstoffe für die chemische Industrie herzustellen. In der Eisen- und Stahlherstellung erfolge gerade die Umstellung auf Wasserstoff als Reduktionsmittel - er soll die Kohle ersetzen. Auch für die langfristige Speicherung von Energie wird Wasserstoff von einer breiten Mehrheit der Wissenschaft als notwendiger Energieträger eingestuft.
Probleme:
- - Auch Wasserstoff sei ein klimaschädliches Gas, das zum Treibhauseffekt beitrage (4 bis 11mal so schädlich wie CO2) und das sparsam verwendet und in geschlossenen Kreisläufen geführt werden müsse. Und gerade das sei bei der hohen Flüchtigkeit des kleinsten aller vorkommenden Moleküle nicht einfach.
- - Die Erzeugung von größeren Mengen grünen Wasserstoffs scheitere am zu langsamen Ausbau von Wind- und Solarstrom. Es werde deshalb zumindest Jahre dauern, bis merkliche Mengen an Wasserstoff importiert werden könnten. Lieferungen aus Katar und Kanada würden erst in einigen Jahren aufgenommen werden. Bis größere Mengen importiert werden könnten, würden mindestens 10 Jahre vergehen. Zudem sei der Transport aufwändig, so dass importierter Wasserstoff ein Vielfaches von heutigem Erdgas oder Erdöl kosten werde. Dabei sei egal, ob der Wasserstoff komprimiert, verflüssigt oder chemisch gebunden transportiert werde.
- - Wasserstoff stehe im Wettbewerb mit anderen Energieträgern. Sowohl beim Antrieb von Fahrzeugen als auch bei der Wärmeerzeugung konkurriere Wasserstoff mit dem Einsatz von Elektrizität, deren Einsatz aus physikalischen Gründen um ein Vielfaches effizienter sei. Setzten wir auf Elektrizität, dann bräuchten wir z.B. für die Wärmeversorgung etwa um den Faktor fünf weniger Windkraftwerke und Photovoltaik, als wenn wir auf Wasserstoff setzen würden – so groß seien die Verluste der Erzeugung und Verbrennung von Wasserstoff gegenüber elektrischen Lösungen wie Wärmepumpen oder Elektroautos. Der Import von Wasserstoff z.B. für Heizungszwecke wäre für die Masse der Bevölkerung unbezahlbar.
Der Einsatz von Wasserstoff muss daher durch die Politik dorthin gelenkt werden, wo sein Einsatz notwendig und effizient ist und volkswirtschaftlich hohen Nutzen stiftet.