Der deutsche Energiemarkt hat eine Besonderheit: Mit über 900 Stadtwerken ist die Energieversorgung sehr dezentral aufgestellt. Während Bund und Länder noch über den richtigen Weg zur Klimaneutralität stritten, haben sich immer mehr, vor allem kleinere Kommunen selbst auf den Weg gemacht und eigene Stadtwerke gegründet, um eine vollständig erneuerbare bzw. auch energieautarke Versorgung zu erreichen. Vorbild waren die Elektrizitätswerke Schönau, die unmittelbar nach Tschernobyl 1986, aus einer Bürgerinitiative heraus, von Ursula und Michael Sladek ins Leben gerufen wurden. Sie kauften das lokale Stomnetz und strebten - damals völlig utopisch scheinend - eine komplett regenerative Energieversorgung an und setzten dies nach und nach in die Tat um. Sie waren so erfolgreich, dass sie nach der Strommarktliberalisierung 1998 sogar zu einem bundesweiten Anbieter für Ökostrom wurden. So nahm die „Ökostromrevolution“ von unten ihren Lauf (https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrizitätswerke_Schönau ).
Inzwischen sind auch große Städte auf dem Weg, Beispiel München
Die Stadtwerke München (SWM) z.B. steigerten ihren Ökostromanteil in nur 12 Jahren von fünf auf 90 Prozent (2022). 2025 sollen erneuerbare Energiequellen aus eigenen Anlagen den Strombedarf komplett decken, trotz angenommener Steigerung von aktuell 6,3 Terawattstunden (TWh) auf 8,4 TWh. Bei der Wärmeversorgung spielt schon jetzt die Tiefen-Geothermie eine bedeutende Rolle. In der Fachstudie „Klimaneutrale Wärme München 2035“ (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Klimaneutrale-Waerme-Muenchen.pdf ) steht sie an vorderster Stelle. Drei Heizwerke sind bereits in Betrieb, weitere sollen folgen.
Beispiel Mannheim
Die MVV Energie AG treibt die Energiewende ebenfalls sehr aktiv voran. Bis 2030 will sie eine CO2-Reduktion von mindestens 80 Prozent gegenüber 2018 erreichen. 2040 wollen sie sogar „klimapositiv“ werden, das heißt mehr CO2 aus der Atmosphäre entnehmen als sie hineingelangen lassen. Hilfreich ist dabei ein bereits sehr gut ausgebautes Fernwärmenetz. 2030 soll dieses vollständig auf „grüne Energiequellen“ umgestellt sein. Sie setzen dabei auf Abwärme aus der Abfallbehandlung und Biomasse, Klärschlammverwertung, Biomethan, Flusswärmepumpen, Geothermie und Industrieabwärme. Am 2040 sollen alle Abfallbehandlungsanlagen durch CO2-Abscheidung dekarbonisiert sein und damit der Atmosphäre CO2 entziehen.
Bundesweit gibt es viele vergleichbare Initiativen
Die Stadtwerke Flensburg und Kiel z.B. wollen, wie Stockholm schon seit 1986, in großem Stil Meereswärme nutzen. Flensburg will 50% seines Wärmebedarfes im Winter darüber decken und 2035 klimaneutral sein.
Und Krefeld?
Krefeld ist in einer guten Ausgangsposition. Auch in Krefeld gibt es die Stadtwerke Krefeld (SWK), die ein maßgeblicher Player der Klimaneutralität sein werden. Zahlreiche klimafreundliche Projekte habe sie bereits anstoßen (eine Messung des konkreten Fortschrittes muss durch eine konsequente Erfassung der Emissionen – auch Scope 2 und 3 – noch möglich gemacht werden). Die Erzeugung eigener erneuerbarer Energie hat bereits Fahrt aufgenommen. Weitere Möglichkeiten können vor Ort eröffnet werden.
Krefeld verfügt über ein umfangreiches Fernwärmenetz, welches ausgebaut werden kann. Die Stadtwerke machen es derzeit mit Absenkung der Vorlauftemperatur und neuen Regeleinrichtungen zukunftsfähig. Tiefenwärmeerschließung, Rheinwärmepumpe oder die Nutzung industrieller Abwärme sind auch in Krefeld möglich und werden z.T. bereits in Angriff genommen. Wenn alle Beteiligten mitziehen, ist Klimaneutralität bis 2035 zu schaffen.