Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

2 Warum reicht es nicht "in aller Ruhe" bis 2050 klimaneutral zu werden?

2 Warum reicht es nicht "in aller Ruhe" bis 2050 klimaneutral zu werden?

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Zunächst galt in Deutschland das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Nach Urteil des Bundesverfassungsgerichtes reichte das aber nicht aus, um zukünftige Lebensgrundlagen zu schützen. Deshalb wurde das Ziel in einem Kompromiss auf 2045 vorverlegt.

Das Verfassungsgericht hat Deutschland also schon gerügt und strengere Ziele gefordert!

Reicht 2045 denn immer noch nicht aus? Das Expertengremium „Intergovernmental Panel on Climate Change“, welches die weltweiten wissenschaftlichen Ergebnisse immer wieder aktuell zusammenfasst, hat Ende 2022 einen Bericht herausgegeben („Global warming of 1,5°C“). Auf 631 Seiten wird die Wichtigkeit der Begrenzung des globalen Temperaturanstieges auf unter 1,5°C nochmals ausführlich diskutiert und belegt.

Der Temperaturanstieg beträgt derzeit ca. 0,2°C pro Dekade. Aktuell liegt die Temperaturerhöhung bereits bei ca. 1,2°C. D.h. im Laufe der nächsten Dekade werden wir das Limit von 1,5°C überschreiten, wenn nicht weltweit die Emissionen drastisch reduziert werden.

Die eben noch tolerable Temperaturerhöhung von 1,5°C wird also wahrscheinlich schon vor 2040 überschritten werden!

Mit steigender Temperatur steigen die klimabedingten Risiken und die Kosten für deren Bekämpfung. Ein Anstieg der Temperatur über 1,5°C hinaus würde zu einer deutlichen Erhöhung der Risiken führen. Beispielsweise wären die Hitzeperioden länger und die Hitzespitzen deutlich höher, die Hitzetoten nähmen zu. Bei 2°C Temperaturerhöhung stiege das Meer bis 2100 um zusätzliche 10 cm mehr an (für Küstengebiete verhehrend). Dürren und Starkregenereignisse wären deutlich häufiger. 

Schon bei einem Temperaturanstieg von 1,5°C sind vielerorts starke Beeinträchtigungen des Lebens nicht mehr vermeidbar: Küstenüberschwemmungen, Probleme in arktischen Regionen (Gebäude, Pipelines etc. sinken in tauenden Permafrostboden), Beeinträchtigungen der Fischerei und seltener Biotope, Hitzefolgen, Starkregenereignisse uva. 

Der Klimabericht des IPCC zeigt auch auf, dass die Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen rasch erfolgen muss. Wichtig nämlich: Auch kurze Überschreitungen des 1,5°C Zieles würden erhöhte Schäden auslösen und schädliche Kausalketten in Gang setzen. Auch wenn eine Rückkehr unter 1,5°C anschließend gelingt, sind diese nicht mehr umkehrbar (Kipp-Punkte). Um ein solches Überschießen der Temperatur zu vermeiden, ist laut IPCC schon vor 2030 (!!!) eine deutliche Reduzierung der weltweiten Emissionen notwendig.

Wir müssen also sofort beginnen, sonst kommt der Stein ins Rollen!

Die Temperaturerhöhung kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit unter 1,5°C gehalten werden, wenn Krefeld, Deutschland und die Welt mit ihren Emissionen ein errechenbares Restbudget einhalten. Dieses Ziel wird aber bei den aktuell von der Weltgemeinschaft angestrebten Emissionsminderungen deutlich verfehlt.

Nachdem wir über 30 Jahre wider besseres Wissen munter weiter emittiert haben, ist unser Restbudget erschreckend klein!   Es reicht keinesfalls bis 2045 oder gar 2050!

Wir alle müssen also umgehend mit wirksamem Klimaschutz beginnen. Erfreulicherweise verschreiben sich mehr und mehr Städte in Deutschland und weltweit dem 2035-Ziel. Wie im übernächsten Beitrag dargestellt, hat es zudem zahlreiche weitere Vorteile, so früh wie möglich zu handeln.

Je mehr Städte mitmachen, um so besser!