Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

21 Strom-Bojen im Rhein

Könnten Krefeld mit Strom versorgen?

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

In St. Goar wurde Ende 2021 eine erste Strom-Boje im Rhein installiert. 16 sollten es ursprünglich einmal werden. Vielleicht kommt das ja noch. (http://s523185842.online.de/endspurt-fuer-die-netzanbindung).

Eine Strom-Boje sieht aus wie ein großer Trichter, der, an einer Kette befestigt, frei flottierend in einen Fluss gehängt wird. Ein Rotor (2,5 m Durchmesser) setzt die Fließenergie des Wassers in Strom um. Bei günstigen Bedingungen sind 100 kW Leistung möglich, womit ca. 100 Häuser mit Strom versorgt werden könnten. (https://www.strom-boje.at/de/die-stromboje.html).

In Österreich werden solche Strom-Bojen seit 2013 in verschiedenen Flüssen erprobt. Es gibt einen Plan, die 50.000 Einwohner der gesamten Region Wachau entlang der Donau mit Hilfe von 500 Strom-Bojen zu versorgen (https://de.wikipedia.org/wiki/Strom-Boje).

 

Könnten Strom-Bojen auch einen Beitrag zu Krefelds Stromversorgung leisten?

Da eine Strom-Boje ohne Pause Tag und Nacht das ganze Jahr über Strom erzeugt, wäre sie eine wichtige Ergänzung zu Sonnenenergie und Windkraft. Allerdings ist der Rhein bei Krefeld kein optimaler Ort für eine Stromversorgung mit Strom-Bojen.

 

Kaum genehmigungsfähig

Wie das Wasser-und-Schiffahrtsamt (WSA) auf Anfrage mitteilte, seien die „Voraussetzungen für Stromturbinen in Krefeld eher für ungünstig: an der hinsichtlich der Strömungsverhältnisse günstigeren Außenkurze tritt die Fahrrinne nahe an das Ufer und das Ufer unterliegt in weiten Teilen Hafen- und Umschlagszwecken“. Eine Genehmigung, die jeweils auf Einzelantrag erfolgt, sei deshalb nicht sehr wahrscheinlich.

 

Flusseigenschaften ungünstig

Die Strom-Bojen sind für Fließgeschwindigkeiten von über 2 m/s ausgelegt. Im Rhein, der bei Krefeld etwa 1,2 m/s schnell fließt, würden sie also nur einen Teil ihrer Leistung bringen – insbesondere, wenn sie außerhalb der Fahrrinne auf der (langsameren) Duisburger Seite ausgelegt würden. Schließlich benötigen die Turbinen bei einer Länge von 11 Metern und einer Breite von 5 Metern mindestens 3 Meter Wassertiefe, die, gerade bei den aktuellen häufigen Niedrigwasserständen, am ehesten dort gegeben sind, wo auch die Schiffe die viel befahrene Wasserstraße nutzen.

 

Fazit

In St. Goar teilt sich der Rhein in zwei Flussarme. Die Schiffe fahren auf der einen Seite, die Strom-Boje liegt auf der anderen. Solange sich der Rhein in Krefeld nicht teilt, dürften Strom-Bojen in der aktuell verfügbaren technischen Form leider keinen nennenswerten Beitrag zur Stromversorgung Krefelds leisten können - trotz ihrer technischen Zuverlässigkeit.