Krefeld verbraucht derzeit 940.000 MWh Strom im Jahr (2020). Es verursacht damit 26% seiner gesamten Treibhausgasemissionen. Mit Umsetzung der Energiewende wird der Stromverbrauch in Zukunft sogar ansteigen (geschätzt 10 bis 50%), da viele Prozesse von fossilen Energiequellen auf Strom umgestellt werden (z.B. auf Elektroautos, elektrische Wärmepumpen, strombasierte Industriewärme).
Wollen wir bis 2035 klimaneutral werden, müssen wir bis dahin also zwischen 1.030.000 MWh und 1.410.000 MWh grünen Strom im Jahr bereitstellen. Das wird nur unter Ausnutzung aller technisch möglicher Energiequellen funktionieren. Dazu gehört ganz wesentlich die Produktion von Solarstrom auf Krefelds Dächern.
Welchen Beitrag können private Dächer leisten?
In Krefeld gibt es ca. 122.000 Wohnungen in knapp 46.000 Wohngebäuden, davon etwa 39.000 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Mehrfamilien- und Einfamilienhäuser zusammen haben schätzungsweise 5 Mio. m2Dachfläche. Laut Solarpotentialanalyse der Landesregierung sind etwa 2/3 dieser Dachfläche solar nutzbar und könnten bei vollständiger Belegung rund 500.000 MWh Solarstrom pro Jahr erzeugen. Das wäre immerhin ein Drittel bis die Hälfte des für 2035 angenommenen Stromverbrauches. Dazu müsste aber wirklich jedes Wohngebäude eine Solaranlage auf das Dach bekommen! (Weiteren Strom können Industriedächer, Parkplätze und zahlreiche Freiflächen liefern, was aber ein Thema für sich ist).
Ist eine Photovoltaikanlage wirtschaftlich?
Photovoltaikanlagen sind heute rentabler denn je. Sie haben sich in der Regel nach 8 bis 15 Jahren amortisiert. Je höher der Eigenverbrauch, um so wirtschaftlicher kann eine Anlage betrieben werden. Ein Batteriespeicher erhöht die Eigenverbrauchsquote, steigert die Wirtschaftlichkeit aber nicht in allen Fällen. Er trägt aber zur Strombereitstellung in der Nacht bei, was in Zukunft wichtig sein wird. Auch die Kombination mit einer Wärmepumpe ist vorteilhaft. Die seit Sommer 2022 erhöhte Einspeisevergütung für selbst nicht genutzten Strom und eine Förderung der Stadt Krefeld (s.u.) verbessern die Wirtschaftlichkeit zusätzlich. Mit dem neuen Vergütungssatz ist sogar bei Volleinspeisung Wirtschaftlichkeit möglich.
Welche Dächer sind geeignet?
In der Regel sind südlich orientierte Dächer am besten. Ost- oder/und Westausrichtung ist aber auch akzeptabel. Sogar eine Nordausrichtung kann u.U. rentable sein. Das Solarpotentialkataster Krefeld(https://www.solare-stadt.de/krefeld/Solarpotenzialkataster ) gibt Hinweise, welche Dächer wie geeignet sind. Auch Flachdächer sind geeignet.
Strom, Wärme oder beides?
Photovoltaikanlagen erzeugen Strom, Solarkollektoren erzeugen Wärme, PVT-Kollektoren beides. Je nach individuellen Gegebenheiten können alle drei System wirtschaftlich sein. Die Entscheidung für ein bestimmtes System hängt von der übrigen Haustechnik, dem Verbrauch und den Baulichkeiten eines jeden Hauses ab und kann letztlich nur Einzelfallbezogen mit einem versierten Berater getroffen werden. In diesem Blog geht es um Strom.
Kaufen oder Mieten?
Eine Solaranlage selbst zu finanzieren, bedeutete eine hohe Anfangsinvestition, die sich erst nach einigen Jahren amortisiert. Deshalb gibt es inzwischen zahlreiche Contracting-, Miet- und Pacht-Angebote. Stadtwerke (die SWK bisher nicht) oder private Anbieter bauen auf eigene Kosten die Solaranlage und bieten dann den Bezug des Solarstromes zu einem festen Satz an. In der Regel sind die summierten Zahlungen am Ende deutlich teurer als ein Kauf. Dafür muss man sich im besten Fall um Wartung und Versicherung nicht zu kümmern. Es ist dringend zu empfehlen, die Verträge im Vorhinein sehr genau zu prüfen.
Und was ist mit Mietwohungen?
Auch Vermieter können eine Solaranlage bauen und den Strom direkt an die Mieter verkaufen („Mieterstrom“: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/FAQ/Mieterstrom/faq-mieterstrom.html ). Wegen der Ersparnis von Steuern und Zuschlägen ist das i.d.R. für beide Seiten günstig und hat auch weitere Vorteile (grüner Strom, Wertsteigerung der Immobilie etc.).
Wo erfahre ich mehr?
Die Verbraucherzentrale bietet eine stets aktualisierte Information für die Planung an:
Auch zu Vor- und Nachteilen einer Batterie gibt es eine aktuelle Information der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/lohnen-sich-batteriespeicher-fuer-photovoltaikanlagen-24589 .
Das Förderprogramm „Klimafreundliches Wohnen“ der Stadt Krefeld findet sich unter: https://www.krefeld.de/klimafreundlicheswohnen . Allerdings befindet es sich für 2023 noch in der Überarbeitung und ist voraussichtlich sehr schnell ausgeschöpft.