Die Wärmeversorgung steht für rund 65% des Krefelder Energiebedarfes. Ein Wärmeplan soll den Weg zur klimaneutralen Bereitstellung der Wärme beschreiben (siehe Blog 8). Zum Glück hat Krefeld schon ein Fernwärmenetz. Wie sonst sollte umweltfreundliche Wärme in die Innenstadt kommen? In verdichteten Stadtbereichen, insbesondere im Geschosswohnungsbau mit älterem Baubestand oder Einzelfeuerungen in den Wohnungen, sind Wärmepumpen oder Solarwärmekollektoren nicht einsetzbar oder überfordert – insbesondere wenn der Wohnungsbestand noch nicht vollständig saniert ist. Die Kombination von Teilsanierung (z.B. Fenster und Dach) und Fernwärme kann hier ein Zwischenschritt sein.
Fernwärme ist für städtische Energiewenden kaum verzichtbar
Fernwärmenetze sind gut geeignet, erneuerbare Energien und Abwärme kostengünstig und flexibel in die Wärmeversorgung zu integrieren. Durch Skaleneffekte bei Großanlagen (z.B. Tiefenwärme, Solarwärme, Großwärmepumpen) gibt es dabei kostengünstigere Lösungen als bei Nutzung für Einzelgebäude. Moderne Niedrigtemperatur-Wärmenetze sind deshalb sehr hilfreich für die Energiewende.
Gibt es in Krefeld eine Fernwärmeversorgung?
Krefeld hat ein gut ausgebautes Fernwärmenetz mit einer Länge von aktuell 94 km. Zahlreiche Stadtteile sind bereits angeschlossen. Neben der gesamten Stadtmitte sind dies große Teile von Cracau und Kempener Feld/Baackeshof, Dießem, Uerdingen und Gartenstadt, ein Streifen von Bockum entlang der Ost-West-Verbindung Friedrich-Ebert-Straße/Berliner Straße sowie kleinere Bereiche von jeweils benachbarten Stadtteilen. Rund 9.000 Kunden werden mit Fernwärme versorgt. Die Stadtwerke (SWK/NGN) modernisieren das Netz bereits (Senkung der Temperatur, Optimierung der Regeltechnik), um es für die Energiewende fit zu machen.
Woher kommt die Fernwärme in Krefeld?
74,9% der Fernwärme stammt aus der Müllverbrennungsanlage in Elfrath. 25% stammen aus Erdgas, welches in den KWK-Kraftwerken der SWK am Weeserweg und an der Schwertstraße verbrannt wird. Die Stadtwerke Krefeld (SWK) schreiben auf Ihrer Internetseite: „Das Fernwärmenetz der SWK ist nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) zertifiziert worden. Das sehr gute Ergebnis: Bei nur 9,4 Prozent Netzverlusten liegt der Primärenergiefaktor bei 0,23 und der Emissionsfaktor bei 34,2 g CO₂eq/kWh“. Hamburg, zum Vergleich, ist bereits auf seinen höheren (und damit „schlechteren“) Primärenergiefaktor von „nur“ 0,33 stolz (Emissionsfaktor 64 g CO2/kWh). Bundesweit wird für Fernwärme ein Primärenergiefaktor von durchschnittlich 0,7 zugrunde gelegt. Gas und Öl haben einen Primärenergiefaktor von 1,1. Die Ausgangslage in Krefeld scheint also auf den ersten Blick nicht schlecht. Doch bis zur Klimaneutralität sind noch weitere Schritte zu gehen.
Was ist jetzt zu tun?
Zur Erreichung der Klimaneutralität sind zwei Dinge zu tun:
- Das Fernwärmenetz muss weiter ausgebaut und durch regionale Nahwärmenetze ergänzt werden.
- Die (Fern-)Wärmeerzeugung muss vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Den Weg wird der Wärmeplan weisen, dessen Erstellung in Kürze beginnen wird. Für die regenerative Wärmeerzeugung bieten sich in Krefeld an: Tiefengeothermie (siehe Blog 9), Großwärmepumpen (z.B. Blog 16), Flächen-Solarthermie. Ob, wie lange und unter welchen Bedingungen Müllverbrennung dabei eine akzeptable Quelle ist, muss diskutiert werden. Dazu wird es noch einen ausführlicheren Blog geben. Es sei aber schon einmal angemerkt, dass Müllvermeidung (auch energetisch) sicherlich das oberste Ziel sein muss. Dass es aber wenig sinnvoll wäre, den dennoch noch längere Zeit anfallenden Müll zu verbrennen (Deponierung scheidet aus), aber die Abwärme nicht zu nutzen.
Der Zeitpunkt ist günstig!
Auf dem Hintergrund der aktuellen Gesetzgebungsdiskussionen auf Bundesebene müssen viele Menschen gerade jetzt überlegen, für welches neue Heizungssystem sie sich entscheiden. Für diese Entscheidung wäre ein rascher Ausbau des Fernwärmenetzes und eine frühzeitige Festlegung der zukünftigen Verfügbarkeitsgebiete hilfreich. Das würde manchem Bürger vermutlich kostspielige und weniger zukunftsfähige Investitionen ersparen.
Was wird dazu gebraucht?
Für den Ausbau der Wärmenetze und für die entsprechenden Erzeugungsanlagen sind, trotz vorhandener Bundesförderungen, sehr hohe Investitionen erforderlich. Diese sind nur bei entsprechender Planungssicherheitmöglich. Auch die anzuschließenden Haushalte müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen langfristig günstige und nachhaltig erzeugte Wärme zur Verfügung gestellt wird. Der Anbieter der Wärmelieferung muss eine Sicherheit haben, dass die von ihm bereitgestellte Wärme dauerhaft abgenommen wird. Diese Planungssicherheit sollte, wie in vielen anderen deutschen Städten auch, durch eine rechtssichere und nach ökologischen und nachhaltigen Kriterien entwickelte kommunale Fernwärmesatzung geschaffen werden. Dazu wird es zu gegebener Zeit einen weiteren Blog geben.