Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

28 Das Jahr 2023 wird heiß! Hitzerekorde am laufenden Band!

28 Das Jahr 2023 wird heiß! Hitzerekorde am laufenden Band!

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Die klimabezogenen Schlagzeilen der letzten zwei Wochen waren eindrucksvoll und fordern die Welt zum Handeln auf:

 

Spanien: „Olivenbauern warnen vor einer „katastrophalen“ Saison“

(28.4.2023, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/duerre-in-spanien-olivenbauern-warnen-vor-katastrophaler-saison-18855953.html und andere Quellen): Hitzewelle in Südspanien. Allzeit-Hitzerekord für Mai mit 41 Grad. Seit 100 Tagen kein Niederschlag. Wettermodelle errechneten solche Wetterlagen eigentlich erst für 2043. „Irreversible Verluste“ auf ca. 3,5 Mio. Hektar Anbaufläche erwartet. Andalusien verliert sieben Prozent seiner Wirtschaftsleistung. Weniger als die halbe Ernte von Oliven, Hopfen und Weizen erwartet. Olivenöl schon ein Fünftel teurer.

 

Südostasien: „Rekordhitze in Südostasien – Vietnam schwitzt bei mehr als 44 Grad“

(9.5.2023, https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/suedostasien-von-hitzewelle-getroffen-mehr-als-44-grad-in-vietnam-18879600.html ): Mit 44,1 Grad die höchste jemals gemessene Temperatur in Vietnam, auf den Philippinen 49 Grad. Die Hitze werde bis August anhalten. Die Regierungen warnen vor Stromausfällen und Gesundheitsschäden bei Aufenthalt im Freien. Die brutale Hitze sei eine Warnung an die Welt – schrieb die Bangkok Post. Die Thailändische Regierung empfiehlt den Bauern des weltweit zweitgrößten Reisexporteurs wegen Wassermangels nur eine Ernte statt zwei einzuplanen – mit der Folge inflationärer Entwicklungen in ganz Asien (https://www.bloomberg.com/news/articles/2023-05-12/el-nino-may-slash-thai-rice-crop-and-spur-inflation-across-asian-economies ).

 

Pakistan: „Sommer in Pakistan: 50 Grad Celsius“

(6.5.2023, https://www.zeit.de/2023/19/sommer-pakistan-jacobabad-hitze ): Etwa die Hälfte der 1 Mio. Einwohner von Jacobabad in Südpakistan flieht jeden Sommer vor der Hitze nach Norden. Seit fünfzehn bis zwanzig Jahren nehme dieser Trend zu. Bei 50 Grad (plus Luftfeuchte) werden die Grenzen der Bewohnbarkeit erreicht. „NGOs und Medien bezeichnen Jacobabad deswegen auch als „Ground zero“ des überhitzten Planeten“.

 

Uruguay: "Trinkwasservorräte in Montevideo reichen noch einen Monat"

(16.5.2023, https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/duerre-in-uruguay-trinkwasser-in-montevideo-wird-knapp-18899301.html ). Längste Trockenperiode in der Geschichte des Landes. Ausrufung des Notstandes steht bevor. Stausee nur noch 1/10 gefüllt. Steigender Salzgehalt des Trinkwassers. 

 

Alberta, Kanada: „Notstand für Teile Kanadas ausgerufen“

(7.5.2023, https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-05/waldbraende-kanada-alberta-notstand-evakuierungen ). Nach den verheerenden Bränden von 2022 schon wieder 109 Brände, 122.000 ha Land betroffen. Die Temperaturen liegen seit einiger Zeit 10 bis 15 Grad über dem Normalwert. 25.000 Menschen sind geflohen. Ölsandgebiete mit einer Jahresproduktion der Größenordnung von Kuwait liegen im Hochrisikogebiet. - Massive Waldbrände auch in Russland und – ungewöhnlich – im Januar in Kuba.

 

Sogar der Ozean: „Ozean im Hitzestress“

(4.5.2023, https://www.zeit.de/2023/19/erderwaermung-ozeane-hitze ): Seit Beginn der Aufzeichnungen waren die Weltmeere noch nie so warm wie heute. Der Ozean kann 1000mal mehr Hitze speichern als die Atmosphäre. Deshalb ist dieser Hitzerekord unter allen Temperaturextremen der letzten Jahre besonders bedeutsam.

 

Im Sommer der Turbo: „El-Nino-Phänomen könnte für Rekordhitze sorgen“

(9.5.2023, https://www.br.de/nachrichten/wissen/mojib-latif-sorgt-el-nino-fuer-rekord-hitze,TdkKyAj ): El-Nino ist ein Wetterphänomen, welches alle zwei bis sieben Jahre auftritt (meist Juni bis August) und weitreichende Auswirkungen auf das Klima weltweit hat. Vereinfacht ausgedrückt kehrt sich zeitweise die Wärmeströmung des pazifischen Ozeans um. Auswirkungen sind vermehrte Regenfälle, Überschwemmungen und Orkane in Südamerika sowie Hitze und Dürre in Südostasien. Die Wahrscheinlichkeit eines El-Nino-Phänomens liegt für diesen Sommer bei 80%.

 

Was hat Deutschland damit zu tun?

Das Wetter hat uns in den letzten Wochen eher vermehrten Regen beschert – zum Glück noch ohne wesentliche Überschwemmungen und Starkregenereignisse, die mit dem Klimawandel tendenziell zunehmen werden. Der Regen gleicht die ungewöhnliche Trockenheit der letzten Jahre ein wenig aus (leider nur teilweise, nun soll es wieder trocken werden).

Dennoch sind wir aufs engste mit den aktuell von der Hitze betroffenen Ländern verbunden – nicht nur über die steigenden Oliven- und Reispreise. Die Wechselwirkungen gelten weltweit. Unsere hohen Treibhausgasemissionen sind eine wesentliche Triebfeder der Klimaveränderungen weltweit. Umgekehrt führen zunehmend unbewohnbare Bereiche und wegen Dürre aufgegebene Landwirtschaft zu Not und Wanderungsbewegungen. In einigen Jahrzehnten wird zusätzlich auch der Meeresspiegelanstieg Milliarden von Menschen vertreiben. Das wiederum führt zu Unruhen und wirtschaftlichen Auswirkungen, die kein Land verschonen werden.

 

Und was können wir in Krefeld tun?

Krefeld hat am weltweiten CO2-Ausstoß einen Anteil von einem Zwanzigtausendstel oder 0,005%. Eigentlich gar nicht so wenig, wenn man an die große Zahl von Menschen auf der Erde denkt. Dennoch sagen viele: Da sollen doch erst einmal die „Großen“ anfangen zu vermeiden! Ich will mit dem schon etwas abgegriffenen Bild der Lemminge antworten, die auf eine Klippe zulaufen: Was nützt es, wenn einer stehen bleibt, fragt der einzelne Lemming; es müssen doch alle stehen bleiben!!! Aber wenn er daraus folgert, nicht stehen zu bleiben, erliegt er einem Fehlschluss: Wenn alle stehen bleiben müssen, was muss denn dann wohl (je)der Einzelne tun? Richtig! Er muss stehen bleiben – und zwar ganz!!!

 

Krefeld bleibt stehen und stoppt den Klimawandel!

Zum Glück haben wir in Krefeld beschlossen, stehen zu bleiben. Bis 2035 wollen wir klimaneutral sein. Das müssen wir mit aller Kraft anstreben. Das wird nicht einfach. Es ist ungewohnt, für Lemminge stehen zu bleiben und es kommt zu Reibung, weil nicht alle gleich schnell bremsen wollen und können.

Es wird Veränderungen bringen (nicht nur Heizungstausch) und Geld kosten. Aber, wie man an den Schlagzeilen zu den immer rascheren Klimaveränderungen sieht, haben wir nur noch wenige Jahre bevor wir das immer knappere Geld nur noch für Schadensbegrenzung ausgeben können und damit alle verlieren.

Vernünftig ist, jetzt massiv umzusteuern und alle verfügbaren Mittel, in Klimastabilität zu investieren und sonstige Projekte erst anzugehen, wenn wir unseren Anteil an der Klimastabilisierung geleistet haben. Ohne stabile Rahmenbedingungen wird es keine stabile Zukunft geben.

Wie wir stabile Rahmenbedingungen schaffen können, wird für Krefeld in Kürze das Gutachten KrKN35 zeigen, welches sich leider immer noch verzögert aber jederzeit erwartet wird. Dann können wir loslegen.

(PS: Dann wird es auch wieder mehr aktuelle Blogs geben).