Im Zuge des aktuell heftig diskutierten Gebäude-Energie-Gesetzes (GEG) sind viele Menschen verunsichert. Wenn das Gesetz in seiner jetzigen Form verabschiedet wird, müssen ab 2024 neu eingebaute Heizungen zu 65% mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das bedeutet, dass dann im Prinzip, von wenigen Ausnahmen abgesehen, neue Öl- oder Gasheizungen nicht mehr zugelassen sind. Allerdings können bestehende Heizungen auch nach 2024 noch betrieben werden – und zwar bis zu 30 Jahre oder bis sie irreparabel kaputt gehen.
Besser noch schnell eine Ölheizung einbauen?
Wie man hört, überlegt jetzt manch einer, sich noch rasch eine neue Öl- oder Gasheizung einbauen zu lassen, bevor diese nicht mehr zugelassen werden. Dabei wird aber oft nicht bedacht, dass Öl- und Gaspreise in den nächsten Jahren deutlich steigen werden. Der EU-Emissionshandel wird ab 2026 auch die fossilen Heizenergien umfassen und deren Emission begrenzen. Durch die Notwendigkeit stetig weniger werdende Emissionsrechte zu kaufen, wird der Preis für CO2 schrittweise steigen und Öl und Gas beträchtlich teurer machen.
Die Öl- oder Gasheizung wird zur Kostenfalle
Wie das Wirtschaftsforschungsinstitut MMC Berlin jetzt in einer Studie geschätzt hat (https://www.mcc-berlin.net/fileadmin/data/C18_MCC_Publications/2023_MCC_CO2-Bepreisung_Klimaneutralität_Verkehr_Gebäude.pdf ), dürfte bis 2030 der Preis pro Tonne CO2 auf zweihundert bis dreihundert Euro ansteigen. Hochgerechnet kämen damit auf einen durchschnittlichen vier-Personen-Haushalt über zwanzig Jahre zusätzliche (!) Heizkosten von ca. 15.000 bis 16.000 Euro für eine Gasheizung und bis zu 23.000 Euro für eine Ölheizung zu.
Wer also jetzt in eine neue Heizung investieren will oder muss, muss sich im Klaren sein, dass er, zusätzlich zur Anschaffungsinvestition, mit steigenden Zusatzkosten rechnen muss. Auch ist noch völlig unklar, wie die Netzkosten verteilt werden, wenn es irgendwann nur noch wenige Abnehmer im Netz gibt.
Noch riskanter sind Wetten auf Gasheizungen mit „Wasserstoff-Option“. Es ist derzeit sehr unwahrscheinlich, dass zu Lebenszeiten der neuen Gasheizung günstiger Wasserstoff in Breite verfügbar und über die Gasleitungen geliefert wird (siehe Blog 14 und 26).
Was ist die Alternative?
Die Alternative wäre z.B. der Einbau einer Wärmepumpe bzw. der Anschluss an das Fernwärmenetz(welches dazu weiter ausgebaut werden sollte). Auch da kann es Preissteigerungen geben, die aber im Vergleich gering ausfallen sollten, da ja gezielt die fossilen Energien bepreist werden, die bei Strom und Fernwärme einen immer geringeren Anteil ausmachen werden. Zudem gibt es Fördermittel für die Anschaffung einer Wärmepumpe.
Darüber hinaus soll perspektivisch ein Teil der Gelder aus dem Emissionsrechteverkauf an die Bürger zurückfließen („Klimadividende“). Der Besitzer einer Wärmepumpe oder eines Fernwärmeanschlusses streicht diese Gelder ohne entsprechende Heizkostensteigerungen ein.
Empfehlung:
Warten Sie aktuell möglichst mit der Heizungserneuerung bis das GEG verabschiedet ist. Dann sind die Entscheidungsgrundlagen klarer. Drängen Sie dann bei den Sie beratenden Fachleuten nach Möglichkeit auf eine klimafreundliche Lösung ohne fossile Brennstoffe; es dürfte auf längere Sicht in den meisten Fällen die günstigere sein. Ein gutes Gewissen bekommen Sie dann noch als Zugabe dazu!