Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

30 Wieviel Fernwärme braucht Krefeld?

30 Wieviel Fernwärme braucht Krefeld?

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Krefeld hat bereits ein Fernwärmenetz (Karte siehe https://www.swk.de/ privatkunden/dienstleistungen/waerme ). Das ist sehr erfreulich! Es wird uns helfen, die Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen. Wie bereits in Blog 25 „Fernwärmeausbau starten“ dargelegt, hat die Fernwärme gerade in verdichteten Innenstadtbereichen große Vorteile.

In diesen Tagen (August 2023) hat die Stadt die Förderzusage für die Erstellung eines „Wärmeplanes“ bekommen. Die Erstellung wird jetzt ausgeschrieben und der Plan soll bis Ende 2024 fertig werden - schneller als die Bundesregierung vorschreiben wird (Mitte 2026). Die frühzeitige Erstellung wird den Bürgern helfen, die richtigen Entscheidungen für die Heizung ihrer Wohnungen zu treffen (siehe auch Blog 29). Es soll z.B. festgelegt werden, in welchen Straßen zukünftig Fernwärme angeboten werden wird.

 

Es stellt sich die Frage: Wie stark soll das Fernwärmnetz ausgebaut werden?

SWK und NGN haben für die Planungen die meisten Grundlagendaten. Die Politik und Stadt wollen den Rahmen setzen. Alle werden sich diese Frage stellen müssen.

Aktuell versorgt das Fernwärmenetz in Krefeld ca. 8.500 Haushalte mit Wärme d.h. 7% aller 120.000 Krefelder Haushalte. Laut Daten des Gutachtens KrKN35 sind dies in Krefeld derzeit 11% der Gesamt-Heizwärmemenge.

Bundesweit werden 6 Mio. von 42 Mio. Haushalten mit Fernwärme versorgt, was 14% entspricht.

 

Was sagen die Gutachten bundesweit?

Auf Bundesebene gibt es fünf große Studien („Big Five“), die sich mit der Frage beschäftigen, wie Deutschland bis 2045 klimaneutral werden kann. Sie äußern sich alle nur sehr knapp zu der Fernwärmefrage. Ihre Vorhersagen für Veränderungen bis 2045 (laut Vergleichsstudie https://www.stiftung-klima.de/app/uploads/2022/03/2022-03-16-Big5_Szenarienvergleich_final.pdf) liegen bis auf zwei Ausreißer (+100% und -16%) nahe beieinander bei einem Zuwachs von +23% - bezogen auf die absolute Fernwärmemenge.

Die Zuwächse der damit versorgten Haushalte weichen z.T. stark ab – je nachdem wie stark der Energiebedarf der Einzelhäuser durch Dämmung abnimmt. So rechnet sogar die DENA-Studie, die bis 2045 ein Minus von 16% in der Wärmemenge rechnet, mit einem Plus von 43% bei den versorgten Haushalten.

 

Was sagt KrKN35 für Krefeld?

Das Krefelder Gutachten KrKN35 (zumindest die wenigen bereits öffentlichen Folien dazu, siehe Blog 3 und 13) nimmt (im Szenario ohne Wasserstoffheizung) einen Anstieg der Fernwärmemenge von 230 GWh in 2020 auf 390 GWh pro Jahr bis 2035 an, d.h. um knapp 60%. Da aber durch energetische Sanierung der Gebäude eine Abnahme der benötigten Gesamtwärmemenge um 65% angenommen wird, würde der Fernwärmeanteil prozentual von 11% auf 52% zunehmen. Da eine Halbierung des Energieverbrauches durch Dämmung (insbesondere im Innenstadtbereich) eher unrealistisch erscheint, wird der Anteil deutlich niedriger sein (geschätzt 20-30%).

Wie viele Haushalte das dann rechnerisch sein würden, hängt von der angenommenen Verteilung der Sanierungsmaßnahmen ab. Dazu sagen die „dürren“ Folien nicht genug. Dazu muss man auf das fertige Gutachten warten.

 

Was machen andere Städte?

Köln will die Fernwärmemenge um 40% steigern. Hannover will eine Versorgung von 60% der Haushalte mit Fernwärme erreichen. Stockholm stellt jetzt bereits 70% der Wärme über Fernwärme bereit. Vergleichbare Anteile erreichen bereits heute auch einige ostdeutsche Städte. Die Zahlen sind alle schwer vergleichbar wegen unterschiedlicher Grundannahmen.

Die AGFW (der „Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V.) hat eine Studie 70/70 erstellt, in der sie einen Zubau des Fernwärmeanteiles auf jeweils 70% für die 70 größten Städte Deutschlands vorschlägt.

 

Wie geht man in der Praxis vor?

Bei der praktischen Erstellung der Wärmeplanung wird man aber zunächst nicht vom Ziel her denken: Man wird sich jedes Quartier, jede Straße und teilweise jedes Haus einzeln ansehen müssen und entscheiden müssen, welches die optimale Wärmeversorgung sein wird. Im dichten Geschosswohnungsbau der Innenstadt wird das in den meisten Fällen die Fernwärme sein.

Wenn man im Energieatlas NRW die Planungskarte Wärme aufruft (https://www.energieatlas.nrw.de/ site/planungskarte_waerme ), kann man links unter „Wärmeplanung vor Ort“ unter dem Punkt „Wärmenetze“ eine Karte „Wärmeliniendichte“ aufrufen. (Man muss dazu nah genug – Innenstadt bildfüllend - an Krefeld heranzoomen). Dort kann man sehen, wie groß der lokale Wärmebedarf ist. Ganz grob geschätzt dürfte Fernwärme in Straßen mit über 2500 kWh Wärmebedarf pro Straßenmeter pro Jahr wirtschaftlich sein (bei Zusammenlegung mit anderen Sanierungsmaßnahmen, wie Kanal, Straßendecke, Datenleitungen etc. vielleicht noch optimierbar). Wenn man das mit dem bestehenden Wärmenetz vergleicht, dann sieht man, dass in Krefeld viel Luft nach oben besteht.

 

Mutig voran!

Es wird unterschiedliche Ansichten zu Wirtschaftlichkeit, einzusetzenden Mitteln und tolerierbaren Baumaßnahmen geben. Der NABU hofft aber im Sinne des Klimas auf ein möglichst mutiges Vorgehen.