Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

33 Das Gutachten KrKN35 zur Klimaneutralität Krefelds ist da!

33 Das Gutachten KrKN35 zur Klimaneutralität Krefelds ist da!

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Der Rat der Stadt Krefeld hatte ursprünglich am 23.6.2020 das integrierte Klimaschutzkonzept „KrefeldKlima 2030“ beschlossen, welches Klimaneutralität bis 2050 zum Ziel hatte. Aufgrund der fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Notwendigkeit schnelleren Handelns und unter dem Eindruck der massiven Klimaproteste der Jugend bundesweit – und auch in Krefeld - beschloss der Umweltausschuss der Stadt am 18.2.2021, ein Gutachten zu beauftragen, welches ermitteln sollte, was notwendig wäre, um Krefeld bereits 2035 klimaneutral zu machen: „KrefeldKlimaNeutral 2035 (KrKN35)“. Nach Vortrag vorläufiger Ergebnisse Ende 2022, wurde das komplette Gutachten jetzt am Donnerstag, den 28.09.2023 dem Umweltausschuss vorgelegt. Es soll im nächsten Schritt in einer Sondersitzung des Umweltausschusses in etwa einem Monat als Handlungsrahmen für den Klimaschutz in Krefeld beschlossen werden. 

 

Woraus besteht das Gutachten?

Das Gutachten baut auf dem vorliegenden Klimaschutzkonzept „Klima 2030“ auf. Die dort bereits vorgeschlagenen Maßnahmen werden überprüft und meistenteils verschärft im Hinblick auf das Ziel, bereits 2035 klimaneutral zu werden. Die einzelnen Teile des Gutachtens können aufgerufen werden unter: https://ris.krefeld.de/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZV6htEDNuOwBNhipPRnVWFQ 

Teil A (39 Seiten) gibt eine Zusammenfassung. Teil B (118 Seiten) erläutert die notwendigen Aktionsfelder in den Bereichen Stromwende, Wärmewende und Verkehrswende.  Es werden jeweils die Ausgangslage, die Potentiale und Szenarien vorgestellt. Teil C (40 Seiten), das Handlungskonzept, beschreibt Einzelziele und die dafür notwendigen Maßnahmen.

Darüber hinaus gibt es Anhänge zum Krefelder CO2-Restbudget, Klimafolgekosten, lokaler Wertschöpfung und zur Reduzierung des konsumbedingten Fußabdruckes. Schließlich gibt es eine sehr hilfreiche, detaillierte und mit allen Beteiligten abgestimmte Liste (126 Seiten) von Steckbriefen, die 57 konkrete Einzelmaßnahmen umsetzungsorientiert formulieren.

 

Die Ausgangslage

Laut Gutachten seien von 2017 bis 2021 die Treibhausgasemissionen der Krefelder geringfügig gesunken (von 7,93 auf 6,86 Tonnen pro Einwohner pro Jahr). In der Aufstellung nach Anwendungszwecken haben die Emissionen aus dem Endenergieeinsatz für Wärmezwecke mit 53% eindeutig den größten Anteil (Mobilität 17%, Strom 28%). Im Strombereich sanken die Emissionen in den letzten Jahren am deutlichsten durch den bundesweit zunehmenden Einsatz von regenerativen Energiequellen. In allen Bereichen reichen die Reduktionen aber bei weitem nicht aus, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen. Sie erfüllen in allen Bereichen, außer der Reduktion des Heizölverbrauches, nicht einmal die Vorgaben des Klimaschutzkonzeptes „Klima 2030“.

 

Krefelder CO2-Restbudget

Wenn man das Ziel zugrunde legt, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, darf nur noch eine bestimmte berechenbare Restmenge CO2 in die Atmosphäre gelangen. Umgerechnet auf die Bevölkerung von Krefeld dürfen hier (ab 2022) nur noch 4.577.204 t CO2 emittiert werden, um 1,5 Grad mit 67% Wahrscheinlichkeit nicht zu überschreiten. Mit dem gegenwärtigen Verbrauch ist dieses Budget in 3,2 Jahren (also Mitte 2025) verbraucht. Wir müssen also so schnell wie möglich handeln.

 

Was muss geschehen?

Krefeld muss laut Gutachten den Energieverbrauch reduzieren und in allen Bereichen so gründlich wie möglich auf regenerative Energiequellen umstellen.  Verfügbar seien in Krefeld: Solarenergie, Windenergie, Tiefenwärme, Umgebungswärme - und die Müllverbrennungsanlage.

Bisher machten regenerative Energien (unter Einrechnung der Müllverbrennungsanlage) bei der Wärmeerzeugung in Krefeld nur 12% aus, beim Strom 19%.

Die Wärmewende sei das zentrale Thema, das umgehend angegangen werden sollte. Der Wärmeverbrauch müsse gesenkt werden (Dämmung etc.) und die Wärmequellen „vergrünt“ werden (die Heizungen, die Fernwärme etc.). Details dazu müsse der „Wärmeplan“ (siehe auch Blog 8) erarbeiten (erfreulicherweise steht dieser in Krefeld schon kurz vor der Beauftragung).

Beim Strom könne die bilanzielle Eigendeckung aus regenerativen Quellen bis 2035 auf 49% gesteigert werden; dazu Ausbau der Photovoltaik (Dächer, Freiflächen) auf über 400 MWp und der Windenergie auf über 16,5 MW. Für die übrigen 51% müssten wir auf Vergrünung des bundesweiten Stromes hoffen.

(Informationen zu weiteren im Gutachten vorgeschlagenen Maßnahmen wird es in weiteren Blogs geben).

 

Hemmnisse

Im Gutachten werden aber auch Hindernisse benannt: Schwierig zu mobilisieren seien vor allem die beträchtlichen Finanzmittel, die weit überwiegend von Privatpersonen und der Wirtschaft, aber auch von der Stadt aufgebracht werden müssen.  Zudem müssten soziale Folgen bedacht werden (Auswirkung auf Mieten, Mobilität etc.). Die Gutachter bescheinigen, dass es eines „erheblichen politischen Willens“ bedarf, ausreichende Maßnahmen zu ergreifen, um auch nur in die Nähe des 1,5 Grad-Zieles zu gelangen.

Entsprechend meldeten sich auch bei der Vorstellung des Gutachtens im Umweltausschuss zunächst die Bedenkenträger: „Wer soll das alles bezahlen?“, „die Bürger gehen auf die Barrikaden“, „werden Anschlusszwänge nötig?“, „die Maßnahmen sind nicht konkret genug formuliert“ etc....

 

Besser jetzt freiwillig investieren als später notgedrungen

Deshalb hier die Bitte, sich nicht von Zahlen erschrecken lassen! Klar ist ohnehin: Je länger wir warten, um so teurer werden die notwendigen Maßnahmen und die Bekämpfung der Klimafolgen. Ersparen können wir uns die Ausgaben nicht. Auch das Gutachten rechnet das vor.

Die „großen Zahlen“ dürfen aber vor allem nicht als „sinnlose“ Kosten betrachtet werden: Es sind überwiegend hochgradig sinnvolle Investitionen, die sich großenteils rechnen: Das Geld für die Dämmung beispielsweise (die sogar noch gefördert wird) müssten die Bürger ungedämmter Häuser sonst später ohnehin für überhöhten Heizmittelbedarf ausgeben. Das zu vermeiden wiederum ist lokale Wirtschaftsförderung (denn Öl und Gas kommen aus dem Ausland, die Dämmung installieren jedoch lokale Betriebe). Das Gutachten liefert auch dazu Anhaltszahlen. (In weiteren Blogs werden diese auch hier näher noch analysiert werden).

 

Klimaschutz als Chance und prioritäre Aufgabe begreifen

Schon das eine Beispiel der Dämmkosten zeigt: Man sollte den Klimaschutz in Krefeld besser als riesige Chance begreifen. Wie können wir die Bürger und die anderen Beteiligten motivieren und unterstützen, bei diesem Wirtschaftsprogramm mitzumachen, das "nebenbei" auch noch „die Welt rettet“? Hier ist viel Raum für politische Kreativität.

Das Gutachten gibt den notwendigen Rahmen und viele erste Schritte vor. Es ist eine gute Grundlage für die weitere Arbeit. Viele Details werden im Verlauf noch geklärt bzw. erarbeitet werden müssen. Aber selbst Dissens in Einzelpunkten darf den Gesamtelan nicht bremsen!

Die Motivation bei den Mitarbeitern von Stadt und Betrieben ist da und die Zusammenarbeit (z.B. Stadt – SWK) funktioniert auch immer besser. Jetzt sollte auch noch die Politik und die Stadtführung den Klimaschutz als prioritäre (!!!) Aufgabe begreifen und offensiv vertreten, dann können wir viel bewegen und unseren Kindern eine weniger gefährliche Welt hinterlassen.