Dazu muss man zunächst wissen was die EU-Deckelung der Emissionen ist und was sie zur Folge hat. Der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) ist seit 2005 das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. Mit ihm sollen die Treibhausgas-Emissionen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie reduziert werden. Seit 2012 nimmt zusätzlich der innereuropäische Luftverkehr teil. Ab 2027 sollen auch Verkehr und Gebäudeheizung hinzukommen.
Emittenten müssen für jede Tonne emittierten Kohlendioxids den Besitz von entsprechenden Emissionszertifikaten nachweisen. Die Zertifikate können käuflich erworben und untereinander gehandelt werden. Die Gesamtzahl der Zertifikate wird jährlich reduziert (um rund 4,4 %). Dadurch sinkt die jährliche CO2-Emission. Gleichzeitig steigt der Preis für jede emittierte Tonne CO2.
Da damit ja offenbar „automatisch“ die Emissionen sinken, könnte sich die Frage stellen, warum man seitens der Stadt und der Bürger überhaupt initiativ tätig werden sollte.
Wenn der erhoffte Erfolg also scheinbar"von selbst" kommen würde, könnte man dann nicht einfach warten?
Für umgehendes, eigeninitiatives Handeln gibt es aber eine Vielzahl von Gründen. Um nur einige zu nennen:
1) Mit der jährlichen Reduzierung der Emissionsrechte steigt der Preis für Energie. Was das für Folgen haben würde, konnte man 2022 sehen, als die Preise für Strom und Gas sprunghaft stiegen und die Bundesregierung mit milliardenschweren Programmen Notlagen und Unruhen verhindern musste. Den Verbrauch rechtzeitig zu senken und auf emissionsfreie Energien umzuschwenken ist also das Gebot der Stunde. Nur so können soziale Verwerfungen zu späterem Zeitpunkt, wenn die Preise unweigerlich steigen, vorausschauend verhindert werden (besondere Betroffenheit von geringeren Einkommen).
Uff, warten wird am Ende teuer - besonders für einkommensschwache Familien!
2) Man sieht auch schon heute, dass die Wartezeiten für den Einbau alternativer Energiequellen hoch sind. Mit steigenden Energiepreisen wird in den 30er Jahren die Nachfrage nochmals explodieren. Alle gleichzeitig können dann nicht bedient werden.
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! - und hat seine Solaranlage zeitgerecht auf dem Dach!
3) Das gilt auch für die Verfügbarkeit von Fachkräften für Stadtverwaltung, städtische Betriebe und Unternehmen. Schon heute sind die Angebote knapp. Wenn erst einmal alle Städte aus Kostengründen auf die Idee kommen, Energiekonzepte umzusetzen, wird der Markt leer sein.
Wenn die Fachleute in Essen, Köln und Duisburg angeheuert sind, guckt Krefeld in die Röhre!
4) Die Stadt, die frühzeitig lokal saniert und nachhaltige Energiesysteme schafft, sichert sich Wertschöpfung vor Ort (lokale Planer, Handwerker, Betreiber, Zulieferer etc.). Diese können später auch umliegende Bereiche bedienen. Wenn man spät kommt, sieht es umgekehrt aus! Der Wohlstandsgewinn durch lokale Wertschöpfung kann geschätzt werden. Die Stadt Bonn erwartet z.B. 123 Mio. Euro zusätzliche Unternehmensgewinne und ein- bis zweitausend zusätzliche Stellen (siehe später folgender Blog-Beitrag). Hinzu kommen die Ersparnisse durch geringere zukünftige Energiekosten für alle.
Wir haben ferne Länder für Öl und Gas bezahlt. Wollen wir das auch mit Sonne und Wind so halten? Oder selbst daran verdienen?
5) Für den Klimaschutz im Allgemeinen ist es wichtig, dass es Städte gibt, die voran gehen, dadurch motivieren, beispielhafte Lösungen präsentieren und letztlich beweisen, dass wirksamer Klimaschutz möglich ist.
Irgendwer muss anfangen - warum nicht wir? Wenn es sogar handfeste Vorteile bringt!!!