Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

40 Wie kommt es zu den hohen Zahlen?

40 Wie kommt es zu den hohen Zahlen?

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

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Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

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Da in Presse und Ausschüssen immer wieder über die hohen Zahlen bei der Kostenschätzung für die Umsetzung von "KrefeldKlimaNeutral 2035" diskutiert wird, hier einmal ganz kurz die Erklärung wie es zu den hohen Schätzungen gekommen ist:

Die Gesamtkosten der Umsetzung der Klimawende werden im Gutachten mit „ca. 33,5 Mrd. Euro“ angenommen, wovon allerdings 30 Mrd. (d.h. knapp 90%) allein auf den Sanierungsbedarf privater Gebäude entfallen, d.h. privatwirtschaftlich getragen werden. Als mit Abstand größter Kostenpunkt sollen diese hier näher betrachtet werden.

Die Herleitung der Schätzung wird in Maßnahme WW-03 „Umsetzung umfangreicher Effizienzmaßnehmen in privatgenutzten Bestandsgebäuden (Wohn- und Nicht-Wohngebäude) näher erläutert (Gutachtenteil „Steckbriefe“ Seite 41 und 42).

Dort steht unter „Kostenannahmen“: „Es wird von Sanierungskosten in Höhe von rund 1.000 bis 3.000 €/m2(ja nach Sanierungsbedarf......) ausgegangen“.

und

„Laut Liegenschaftskataster kann die Nutzfläche aller Gebäude im Krefelder Stadtgebiet mit ca. 14. Mio. m2geschätzt werden“.

Wenn man nun einen mittleren Wert der geschätzten Sanierungskosten pro Quadratmeter mit der Gesamt-Nutzfläche multipliziert, kommt man tatsächlich auf rund 30 Mrd. Euro.

 

Wie realistisch ist die Rechnung?

Diese Rechnung ist eine leider viel zu grobe (geradezu leichtfertige) Schätzung, die, wie man derzeit sieht, eine schwere Hypothek für das Gutachten ist, da man solche Ausgaben nicht für realistisch hält. Mit Recht!

Zunächst sind die Kostenschätzungen pro Quadratmeter zu hinterfragen: Wenn man „Sanierungskosten pro Quadratmeter“ bei Google eingibt, erhält man zahlreiche Schätzwerte in einer Spanne zwischen 400 € und 1.200 €/m2. Darüber hinaus gehende Sanierungskosten sind selten.

Keinesfalls wird in Krefeld jedes Gebäude voll saniert werden, viele Gebäude werden nur teilsaniert werden. Zudem wird man im Rahmen der Wärmeplanung zunächst die Gebäude mit den hohen Einsparpotentialen angehen, wo die Durchschnittskosten völlig anders liegen können.

Auch die Gesamtfläche von 14 Mio. m2 kann nicht realistisch Grundlage der Berechnung sein. Es werden niemals alle Gebäude saniert werden müssen. Allein zeitlich werden, bei der im Gutachten angenommen Sanierungsrate von 4-5%/Jahr, bis 2035 rechnerisch maximal 60% der Gebäude saniert. (Dies entspricht auch den konkreteren Schätzung in Wärmeplänen anderer Städte).

Nimmt man diese Zahlen (also 60% von 14. Mio. m2 und durchschnittliche Sanierungskosten von 800 €/m2), dann käme man auf Kosten von 6,7 Mrd. für Maßnahme WW-03 – also weniger als ein Fünftel von 30 Mrd.. Der Gesamtprozess KrefeldKlimaNeutral 2035 würde mit dieser, immer noch viel zu groben Schätzung, bis 2035 also 10,2 Mrd. Euro kosten.

Genauere Zahlen wird die Wärmeplanung ergeben. Es ist damit zu rechnen, dass diese noch deutlich niedriger liegen.

Wenn man Berlin oder München der Schätzung zugrunde legen würde, die acht- bis fünfzehnmal so viele Einwohner wie Krefeld haben und mit geschätzten Gesamtinvestitionen für die Sanierung von "nur" rund 4 Mrd. Euro rechnen, müsste Krefeld ja deutlich unterhalb von einer halben Mrd. bleiben.

Und wenn man dann noch die vorhandenen und prospektiv voraussichtlich noch wachsenden Fördermittel abzieht, dann zeigt sich, dass die Aufregung über die Kosten zumindest verfrüht, wahrscheinlich aber völlig unnötig ist.