Sonnenenergie und Windenergie sind die Hauptstandbeine der Energiewende. Sonnenenergie ist weltweit auf dem Vormarsch, Windenergie hängt noch zurück. Händeringend werden Standorte gesucht. Dabei ist die Windenergie von großer Wichtigkeit. Die Sonne scheint vor allem im Sommer und mittags. Aber was ist nachts? Was ist im Winter? Hier wird Windkraft zwingend benötigt! Strom speichern ist teuer. Im Einzelhaushalt können Stromspeicher für eine Nacht wirtschaftlich sein, nicht aber im großen Maßstab. Erst recht ist eine komplette Überbrückung des Winters undenkbar. Wind aber bläst auch nachts und besonders sogar im Winter. Vor allem auf dem Meer bläst er sehr konstant. Windkraft wird deshalb auch das „Arbeitspferd“ der Energiewende genannt.
Es gibt nur wenige Tage bis maximal Wochen im Jahr, in denen weder Sonne noch Wind ausreichend Energie liefern. Diese „Dunkelflauten“ sind ein wichtiges Problem der Energiewende. Es gibt auch dafür Lösungen; in diesem Blog aber soll es um die Windkraft gehen.
Wohin mit den Anlagen?
Kaum einer hat Einwendungen gegen Solaranlagen auf Dächern. Klar! Diese sollten alle belegt werden, vor allem die großen Industriedächer. Aber, wie eben begründet, wollen wir ja nicht nur im Sommer ausreichend Strom haben. Gerade für die zunehmenden Wärmepumpen brauchen wir Strom auch im Winter.
Mit der dafür notwendigen Aufstellung von Windkraftanlagen aber gibt es immer wieder Probleme. Es werden alle möglichen Gründe geltend gemacht, warum sie hier und da nicht stehen dürfen – vor allem nicht vor der eigenen Haustüre. Jeder will aber Strom haben, nicht nur tags und im Sommer.
Tausende von Windkraftanlagen müssen aufgestellt werden – möglichst nah beim Verbraucher. Oft aber sagt der Bürger: „Nicht bei mir, stellt sie doch nebenan auf!“ Der Nachbar sagt aber das Gleiche. Also sagen dann beide: „Stellt sie doch in der freien Landschaft auf!“ Da sagen die Spaziergänger: „Nein, hier wollen wir uns erholen!“ und die Naturschützer: „Nein, hier lebt der gefährdete Rotmilan!“ Es gilt also wieder abzuwägen. Aufs Meer? Auch da wird Natur beeinträchtigt. Zudem sind die Anlagen und die langen Leitungen teurer und umkämpft (wie Krefeld als „Transitstadt“ für Nordseestrom weiß). Das Meer alleine reicht zudem bei weitem nicht. Die Anlagen müssen also doch auch auf Land irgendwo hin.
Im Konflikt zwischen freier Natur und Stadt hat die Stadt eigentlich wenig Grund sich zu zieren. Sie sollte anerkennen, dass sie den Löwenanteil des Stromes verbraucht und zu dessen Erzeugung so viele Windkraftanlagen aufstellen wie möglich. Dann müssen in den wenigen noch verbliebenen „freien Landschaften“ so wenige aufgestellt werden wie nötig. (Krefeld hat zudem dort schon welche und wird noch mehr brauchen).
Wohin also mit den Anlagen in Krefeld?
Klar ist, dass alle Abstandsregeln, Emissionsregeln und sonstigen Bau- und Naturschutzvorschriften beachtet werden müssen. Es bleiben dann naturgemäß in einer dicht bebauten Stadt nur wenige Bereiche. Welche es sind, dazu wird die Stabsstelle Klimaschutz der Stadt Krefeld in wenigen Tagen eine Auswertung der Möglichkeiten vorlegen. Aber obwohl so ein „Arbeitspferd“ viel Strom macht (eine 6 MW-Anlage kann mit einer einzigen Rotordrehung ein Elektroauto 156 km weit fahren lassen), werden wir auch bei maximaler Ausschöpfung aller Standorte nur einen Teil unseres Stromes erzeugen können (dazu bräuchten wir 100 dieser Anlagen). Um so dringender ist es, aus den obigen Gründen jeden Standort der möglich ist auch zu nutzen.
Welchen Vorteil hat das?
Der Hauptvorteil ist die „eigene“ Erzeugung von Ökostrom. Wir leisten unseren (Pflicht-)Beitrag zur Energiewende. Der Ertrag ist bei uns (nachrichtlich) bilanzierbar, mehr Kunden können versorgt werden und wir sind unabhängiger von fernen Erzeugern – im Hinblick auf Preis (Höhe und Stabilität), Versorgungssicherheit und Vertrauen. Wir brauchen weniger „Norwegen-Zertifikate“ (Blog 37).
Es bleibt bei lokaler Erzeugung auch deutlich mehr Wertschöpfung in der Region, in Form von Gewerbesteuern, Gewinnen, Pachteinnahmen, Nettoeinkommen, Bau-, Betriebs- und Wartungseinnahmen, Arbeitsplätzen, ggf. Kapitalerträge usw.. Neben Investitionen lokaler Unternehmen (v.a. SWK) wären auch aktive und passive Bürger-Beteiligungen denkbar.
Kosten sparen die geringeren Transport- und Transformationsverluste bei lokaler Erzeugung. Das ist effektiver und drückt auf die Strompreise. Wir werden zudem etwas unabhängiger von Preisschwankungen auf dem Strommarkt.
Lokaler Ökostrom ist zudem ein positiver Standortfaktor und Krefelder Betriebe können, bei entsprechenden Verträgen, mit klimafreundlichem Bezug von Ökostrom werben (ganz ohne dubiose Kompensationsprojekte). Versucht werden sollte sogar eine Erweiterung der Standorte auf Industriegebiete zur direkten Versorgung; BASF, VW, Thyssen und viele andere Industrieunternehmen starten aus Gründen der Versorgungs-, Kosten- und Kennzeichnungssicherheit eigene Windkraftprojekte – es gibt auch in Krefeld Interesse.
Vereinsförderung inklusive?
Ein besonderes Leckerli: Die neue Bundesgesetzgebung sieht zudem vor, dass ein kleiner Prozentsatz des Gewinnes von Windkraftanlagen an die lokale Kommune gehen soll (https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__6.html - das Land NRW will mit einer verpflichtenden Gesetzgebung nachziehen). Rund 0,2 Cent pro erzeugter Kilowattstunde würden sich bei einer 6 MW-Anlage auf etwa 20.000 Euro pro Jahr summieren. Wenn 15 Anlagen aufgestellt werden könnten, könnten es ein jährlicher Ertrag von 300.000 Euro sein.
Ein Modell könnte Kevelaer sein, das schon vorgeprescht ist und bereits vor der Gesetzgebung einen Fördertopf für Vereine aufgelegt hat (https://rp-online.de/nrw/staedte/kevelaer/wie-vereine-in-kevelaer-von-windkraft-profitieren_aid-67920433 ).