Am 13.12.2022 trugen die Gutachter erste vorläufige Ergebnisse des Berichtes KrefeldKlimaNeutral 2035“ vor. Die 59 Folien enthielten zwar viele Daten, waren aber noch sehr bruchstückhaft. In den folgenden Zeilen soll eine sehr grobe Inhaltsangabe versucht werden.
Das Gutachten gliedert sich in sechs Unterpunkte:
1+2) Einleitung und Treibhausgasbilanz – mit kleinem Haken:
Es wird von einem Gesamtenergiebedarf Krefelds von 5,4 Terawattstunden/Jahr ausgegangen (Bezugsjahr 2021, in 2010 waren es noch 7 Terawattstunden).
Das entspricht einer Kohlendioxidemission in 2021 von 6,86 Tonnen CO2 pro Einwohner (2010 waren es 9,95 Tonnen).
Aber Vorsicht: Aus den Zahlen sind die Verbräuche der "ETS-Betriebe" herausgerechnet. Das sind diejenigen Großbetriebe, die direkt am EU-Emissionszertifikatehandel teilnehmen (siehe Blog „Warum reicht es nicht...“ vom 11.1.2023). Da Krefeld mehrere dieser Großbetriebe hat, sind sie zusammen für über die Hälfte des Krefelder Energieverbrauches verantwortlich. Mit den Betrieben zusammen verdoppeln sich also die obigen Energieverbrauchsmengen (Gesamtverbrauch mit ETS-Betrieben in 2021: Knapp 12 Terawattstunden/Jahr).
3) Wärmewende – der dickste und schwierigste Batzen:
Der Wärmebereich ist mit 3,5 TWh der größte Verbraucher (über 50%). Es werden zwei Pfade beleuchtet.
- „All electric“-Szenario, bei dem durch intensive Dämmung und andere Sanierungsmaßnahmen der Wärmeverbrauch der Gebäude deutlich gesenkt wird und heizungstechnisch, neben Ausbau der Fernwärme, in weiten Bereichen eine Umstellung von fossilen Brennstoffen auf elektrische Wärmepumpen erfolgt. Die Sanierungsrate (Wärmedämmung) soll dabei von aktuell rund 1% des Gebäudebestandes pro Jahr auf 5% (!!!) pro Jahr angehoben werden.
- H2-Szenario, bei dem die Sanierungsrate nur auf 2,5% angehoben wird und in weiten Bereichen Wasserstoff als Brennstoff für die Heizung bzw. Fernwärme zum Einsatz kommt.
Vorsicht: Der NABU hält für extrem unwahrscheinlich, dass es bis 2035 ausreichend Wasserstoff geben wird – insbesondere nicht zu Heizzwecken.
4) Mobilitätswende – kleinster Posten aber nicht einfach:
Der Verkehr verursacht ca. 16% der klimawirksamen Emissionen in Krefeld. Hauptmaßnahmen sind Umstieg auf treibhausgasfreie Energieträger (v.a. Strom) sowie Bahn und Rad.
5) Stromwende – Sparen, Sparen, Sonne, Sonne, Sonne, Wind:
Der Strombereich verursacht 26% der klimawirksamen Emissionen. Bei den erwähnten Maßnahmen stehen Effizienzsteigerungen sowie massiver Ausbau der Photovoltaik im Vordergrund (Dachflächen, Parkplätze, Freiflächen, Agri-PV uva.). Auch die Windkraft soll ausgebaut werden. Extern bezogener Strom soll treibhausgasfrei sein.
6) Handlungskonzept – wann, was, wie und wie teuer?:
In diesem Abschnitt werden die Maßnahmen nochmals zusammengefasst und in Zeitabschnitte und Handlungsstränge aufgeteilt. Es wird geschätzt, dass Gesamtinvestitionsmittel von 15 Milliarden Euro erforderlich sein werden (ganz wesentlich private Investitionen). Wieviel davon die Stadt selbst aufbringen, bzw. durch Fördermittel einwerben muss, konnte noch nicht abgeschätzt werden. Es werden im Verlauf etwa 20-40 neue Stellen bei der Stadt benötigt. Allerdings erhofft man sich abschließend auch die jährliche Einsparung von über 70 Mio. Euro im Stadthaushalt.
Fazit: Erst einmal schauen, was im Endbericht steht!
Inhaltlich könnte man zu vielen Punkten etwas sagen. Im Verlauf des Blogs werden einige Punkte auch noch intensiver beleuchtet werden. Eine endgültige Einschätzung der Wirksamkeit der Maßnahmen wird aber sicherlich erst bei Vorlage des endgültigen Gutachtens voraussichtlich Anfang Februar 2023 möglich sein.