Blog Nummer 50 rechtfertigt vielleicht ein paar Schlaglichter, wo wir heute mit unseren Bemühungen um die Eindämmung der weltweiten Klimaveränderungen stehen. Dazu werden einige wichtige wissenschaftliche Organisationen und Gremien zitiert:
Das Klima ändert sich rasanter denn je
Die World Metereological Organisation (WMO) stellt in ihrem Bericht „State of the global Climate 2023“ (https://library.wmo.int/viewer/68835/download?file=1347_Statement_2023 _en.pdf&type=pdf&navigator=1 ) fest, dass das Jahr 2023 mit Abstand das wärmste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen vor 174 Jahren war, mit einer globalen Durchschnittstemperatur in Oberflächennähe von 1,45 Grad Celsius über dem vorindustriellen Ausgangswert (der scharfe Temperaturanstieg 2023 ist in obiger Grafik gut erkennbar). WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo kommentiert die Ergebnisse: „Noch nie waren wir so nah an der Untergrenze von 1,5 Grad des Pariser Abkommens zum Klimawandel. Was wir im Jahr 2023 erlebt haben, insbesondere die beispiellose Erwärmung der Ozeane, den Rückzug der Gletscher und den Verlust des antarktischen Meereises, ist besonders besorgniserregend“.
Besorgniserregend seien die Hitzewellen der Meere, besonders im Nordatlantik. Sie lägen bis zu 3 Grad über dem Durchschnitt. Im Mittelmeer gab es zum zwölften Mal in Folge fast flächendeckend schwere Hitzewellen. Betroffen waren wesentlich auch der Golf von Mexiko, die Karibik, der Nordpazifik und weite Teile des südlichen Pazifik. Offenbar seien die Ozeane der Welt an den Grenzen ihrer Wärmespeicherfähigkeit angekommen. Das könnte einen Turbo für die Aufheizung der Luft bedeuten. Als ein Symptom von vielen: Die Gletscherschmelze wird befeuert: Allein in den letzten zwei Jahren verloren Gletscher in der Schweiz 10 Prozent ihres Volumens (vergleichbar auch andernorts).
Die Menschheit reagiert – aber zu verzagt
Einen Hoffnungsschimmer sieht die WMO im wachsenden weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Zubau an erneuerbaren Kapazitäten stieg gegenüber 2022 um fast 50 Prozent. Wie allerdings die „International Renewable Energy Agency (IRENA)“ in einer Bewertung kritisch anmerkt (https://mc-cd8320d4-36a1-40ac-83cc-3389-cdn-endpoint.azureedge.net/-/media/Files/IRENA/Agency/ Publication/2024/Mar/IRENA_Tracking_COP2__outcomes_2024.pdf?rev=6a40bf8184744e209283c159ab779603 ), sei der Ausbau zwar beträchtlich und erfreulich, müsse aber jährlich dreimal so hoch sein, um die bei der 28. Vertragsstaatenkonferenz der Klimakonvention im November 2023 in Dubai vereinbarte Verdreifachung der regenerativen Energieerzeugung bis 2030 zu erreichen.
Die Emissionen müssten viel rascher gesenkt werden
Der „Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU)“ sprach sich in einer aktuellen Stellungnahme von März 2024 (https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/04_Stellungnahmen/2020_2024/2024_03_CO2_Budget.pdf?__blob=publicationFile&v=8) nochmals sehr überzeugend dafür aus, den Bemühungen um Klimaschutz in Deutschland ein CO2-Restbudget zugrunde zu legen. Sie aktualisierten dieses nach den neuesten wissenschaftlichen Ergebnissen und stellten fest: Wenn wir das gegenwärtige Tempo der Emissionsreduktionen nicht deutlich beschleunigen, haben wir in Deutschland (und Europa) das Budget, was uns zur Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles mit 67%iger Wahrscheinlichkeit noch bleibt, bereits überschritten. Zwischen 2024 und 2029 überschreiten wir das Budget für die Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles mit 50%iger Wahrscheinlichkeit und 2037 bis 2040 das Budget für die Einhaltung von 1,75 Grad mit 67%iger Wahrscheinlichkeit. Die aktuell beschlossenen Maßnahmen würden den Temperaturanstieg zwar schließlich noch unter 3 Grad Celsius abfangen, was aber zahlreiche weitere Kipp-Punkte aktivieren würde (angesprochen in Blogs 2 und 43, ein ausführlicherer Blog dazu folgt noch).
Die deutsche Politik handelt schließlich – es reicht aber noch nicht
Das Institut „Agora-Energiewende“ stellt in ihrem Bericht „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2023“ fest, dass die Treibhausgasemissionen 2023 gegenüber 1990 um 46 Prozent gefallen seien und damit auf den tiefsten Stand seit 70 Jahren. Leider sei dies zum Teil auf krisenbedingte Produktionsrückgänge der energieintensiven Industrie zurückzuführen. Nur 15% der Reduktion sei langfristig gesichert.
Erneuerbare Energie deckten 2023 erstmals über 50% des Stromverbrauches und die Kohleverstromung sei auf einen historischen Tiefstand gefallen. Der Zubau der Photovoltaik in 2023 habe mit 14,4 GW sogar die Zubauziele der Bundesregierung übertroffen!!
Die Sektoren Gebäude und Verkehr hätten aber erneut ihr Klimaziel verfehlt. Ihre Emissionen stagnierten. Hauptgrund sei die schleppende Elektrifizierung: E-PKW stellten wie 2022 knapp 20% der Neuzulassungen. Um das Ziel von 15 Mio. E-PKW bis 2030 zu erreichen, müsse der Anteil an den Neuzulassungen in den kommenden Jahren auf 90% ansteigen. 2023 sei zudem ein Rekordjahr für Wärmepumpen gewesen – aber auch für Gasheizungen. Es seien 2,5mal mehr fossile als klimaneutrale Heizungen verkauft worden!!!
Mit dem Karlsruher Haushaltsurteil werde die Finanzierung von Klimaschutzinvestitionen zum zentralen Thema für 2024. Um das 2030-Klimaziel zu erreichen seien Investitionen in Klimaneutralität dringender denn je.
Und wie steht es in Krefeld?
Der Handlungsfahrplan „KrefeldKlimaNeutral 2035“ passierte im Dezember 2023 endlich (mühsam) den Stadtrat. Eine gewisse Grundbereitschaft zu Klimaschutzmaßnahmen ist in Politik, Verwaltung und städtischen Betrieben (SWK, NGN, KBK etc.) aber deutlich erkennbar. Einige Bereiche (zum Beispiel ZGM und Zoo - Blog 24 und Blog 15) nehmen Klimaschutzmaßnahmen sehr engagiert in Angriff. Auch die SWK haben Pläne (Blog 44).
Die Krefelder Bürger haben im Jahr 2023 auf ihren Privathäusern deutlich mehr Solaranlagen gebaut als in den Jahren zuvor. Der Anstieg ist wirklich beeindruckend. Dennoch ist noch eine deutliche Steigerung notwendig, um in Einklang mit den Klimazielen zu bleiben. Parallel wurden aber leider auch noch viele Gasheizungen eingebaut und breite Sanierungsoffensiven sind kaum erkennbar.
Windkraftanlagenstandorte werden identifiziert. Ob dort hinterher aber auch der Bau von Anlagen real durchsetzbar sein wird, steht noch in den Sternen. Freiflächensolaranlagen sind ebenfalls noch umstritten. „Quartiersmanager“ machen sich in der Klimastabsstelle daran, mögliche Klimaschutzmaßnahmen in einzelnen Vierteln zu identifizieren und anzuschieben. Die Bemühungen sind aber haushaltsbedingt nur punktuell und harren natürlich noch der Umsetzung. Haben wir die Zeit?
Schneller geht es mit der Wärmplanung: Aktuell wird der kommunale Wärmeplan für Krefeld erstellt. Noch in diesem Jahr sollen Ergebnisse vorliegen. Das ist eine sehr wichtige Grundlage für die notwendigen Entscheidungen der Stadt und der Bürger (siehe Blog 47 und 48). Krefeld hat sich damit wirklich beeilt. Hoffentlich ist das Ergebnis ehrgeizig genug, um rasche und ausreichende Erfolge zu erzielen und findet aktive Akzeptanz bei Politik und Bevölkerung.
Auch in der Verkehrsplanung gibt es Initiativen (z.B. Fahrradkonzept). Hier sind die Einflussmöglichkeiten aber leider begrenzter. Die Bürger sind hier auch gefragt. Gegenüber früher sieht man aber erfreulich viele Transporträder. Der Ausbau von Ladestationen für die E-Mobilität hinkt aber noch hinterher.
Zusammenfassend tut sich in Krefeld also Einiges (hier wurden nur Schlaglichter erwähnt). Vieles ist aber noch in Vorbereitung und wird erst in den nächsten Monaten und Jahren wirksam werden können. Der Klimablog wird berichten (sie können übrigens die E-mail-Benachrichtigung aktivieren, dann verpassen Sie nichts).
Noch einmal muss deutlich betont werden, was auch die WMO noch einmal betont: Teure Maßnahmen heute lohnen sich, da Zuwarten noch teurer wird. Und schmerzhafte Veränderungen von Gewohnheiten zu akzeptieren lohnt sich auch, da die bei tatenlosem Zuwarten drohenden klimabedingten Veränderungen noch deutlich schmerzhafter werden. Erste Anzeichen zeigen sich weltweit ja leider schon deutlich.