Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

6 Ein Wort an die Skeptiker

6 Ein Wort an die Skeptiker

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

„Klimaneutral bis 2035? Ich glaube das ist nicht mehr zu schaffen!“ 

Das hört man oft, wenn man den Beschluss des Krefelder Stadtrates bis 2035 klimaneutral zu werden, lobt. Wie soll man mit dieser Skepsis umgehen?

Ohne Zweifel bedarf es allergrößter Anstrengungen und einer beträchtlichen Umorientierung jeglichen privaten, geschäftlichen und städtischen Handelns in Krefeld, wenn wir das Ziel erreichen wollen. Resigniert zu seufzen bietet da sicherlich Erleichterung. Denn sonst müsste man ja umdenken und sich auch noch anstrengen.

Man soll die Skepsis aber nicht lächerlich machen. Sie ist ja durchaus berechtigt. Es könnte sein, dass wir das Ziel tatsächlich verfehlen. Es gibt so viele Variablen, dass große Unsicherheiten in beide Richtungen bestehen. Wohlgemerkt: In beide Richtungen. Es ist nichts entschieden. Es hängt von uns ab. 

"Wenn wir 1,5°C nicht schaffen, dann eben 2°C – oder 2,5°C. Dann haben wir ja mehr Zeit"...

... so versuchen sich andere zu beruhigen. 1,5°C werden innerhalb der nächsten +/- 10 Jahre erreicht sein, wenn wir nicht sehr entschieden handeln. Mehr Zeit wäre schön. Leider aber sind Naturgesetze nicht verhandelbar. Der Kipp-Punkt für das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes (Folge: Viele Meter Meeresanstieg) wird vermutlich gerade erreicht. Der westantarktische Eisschild kollabiert bei ca. 1,5°C (weitere Meter), die Umwälzströmung der Labradorsee (evtl. auch der Golfstrom) bei ca. 1,8°C (brrr! Dann wird es kalt in Europa – und heißer im Süden). Es folgen der ostantarktische Eisschild, die Versteppung des Amazonas und das Tauen der arktischen Permafrostböden usw.

Über 1,5°C wird es wirklich ungemütlich – und extrem teuer.

Wenn drei riesige Eisschilde abschmelzen (und mit ihrem Eis auch nicht mehr die Sonne reflektieren, beschleunigt sich der Prozess unumkehrbar. Jedes zehntel Grad zählt jetzt. 1,5°C Erderhitzung verändert alles. Das muss einer kritischen Masse an Menschen jetzt klar werden. Man darf jetzt einfach nicht resignieren!!!

Es steckt darin auch eine riesige Chance: Jetzt erst recht!

Denn wenn wir jetzt entschlossen handeln, können wir das Ziel erreichen. Letztlich bremst uns die Skepsis (und das schon seit 30 Jahren). Der Mensch kann, wenn er will: Smartphones waren innerhalb 10 Jahren weltweit verbreitet.

Jetzt ist das Mitwirken von tausenden Privatpersonen und Geschäftsleuten notwendig. Jeder kann etwas tun (von LED-Leuchten und sparsamen Elektrogeräten bis zu Hausdämmung, Photovoltaikanlagen und Heizungserneuerung). Entsprechend entschlossen müssen auch die Forderungen an die Politik sein: Krefeld ist mit einem Startschuss vorangegangen. Jetzt muss die entschlossene Umsetzung folgen. Jeder Schritt muss ausreichend groß und entschieden sein. 

Jetzt lohnen sich sogar alle privaten und öffentlichen Investitionen noch. Später wird die Schadensbegrenzung extrem teuer.

Insofern sollten auch die Gesamtkosten nicht schrecken, die in den nächsten Wochen in den Gutachten auftauchen werden. Zum allergrößten Teil sparen wir Kosten, die sonst später unweigerlich zu zahlen sein werden. Die Gaskrise im Ukrainekrieg hat eine Vorschau geliefert. Es wird dann keinen dauernden „Doppelwumms“ geben können, um soziale Verwerfungen zu vermeiden. Eher würde das Ziel aufgegeben und die Katastrophe nähme ihren Verlauf. Wollen wir das? Skepsis macht schwer. Wir müssen beflügelt handeln.