Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

68 Sechs Energiewendeprojekte für die neue Legislaturperiode

68 Sechs Energiewendeprojekte für die neue Legislaturperiode

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Die Krefelder Wählerschaft hat am 14. September entschieden. Jetzt überlegen die gewählten Vertreter, wie sie den Auftrag der Wähler am besten umsetzen. Es könnte Koalitionen geben. Klimaschutz ist unverändert wichtig, um die stete Verschlechterung der Lebensbedingung auf diesem Planeten aufzuhalten, wie man fast täglich in den Nachrichten lesen kann und die Wissenschaft belegt (siehe Blog 65). Damit es nicht an konkreten Ideen mangelt: Hier sechs Krefelder Projekte, die im Laufe der Legislaturperiode umgesetzt werden könnten. Es gibt noch viel mehr zu tun. Dazu ist manches in den bestehenden Klimaschutzplänen der Stadt festgelegt. Mit diesen stehen die hiesigen Vorschläge nicht in Konflikt. Aber ich denke einige „große“ Leuchtturmprojekte könnten zusätzlich motivierend sein – für politische Vorkämpfer und auch für die Bürger. (Die meisten sind übrigens für die Stadt kaum budgetrelevant).

 

Projekt 1) Wärmeplan Krefeld beschließen: Die Fachleute der Stadt Krefeld, der SWK, der NGN und des Beratungsbüros Drees&Sommer arbeiten seit zwei Jahren intensiv daran. Die Wärmeplanung ist schon weit gediehen. Im Umfeld der Wahlen wurde es ruhiger. Aber hinter den Kulissen schreitet die wichtige Grundlagenarbeit fort. Eine solide Entscheidungsbasis ist geschaffen. Es wird jetzt noch abzuwarten sein, welche Rahmenbedingungen die neue Bundesregierung setzt. Dann kann die Wärmeplanung für Krefeld beschlossen werden. Dies ist wichtig, denn viele Akteure stehen in den Startlöchern, in die Energiewende zu investieren (Hausbesitzer und Wohnungsgesellschaften mit Heizungstausch und Sanierung, SWK/NGN mit Netzausbau und Fernwärmeplanung etc., Anbieter mit Investitionsplanungen, .....). Auch wenn die Wärmeplanung nicht rechtlich verbindlich ist, ist sie doch für viele Akteure eine bedeutsame Entscheidungsgrundlage. Zudem muss sie nach jetziger Gesetzeslage ohnehin bis zum 30. Juni 2026 verabschiedet werden. Jeder Monat früher spart CO2-Emissionen. 

Projekt 2) 19 Windkraftanlagen auf den Weg bringen: Windkraft ist das „Arbeitspferd der Energiewende“ (siehe Blog 41). Sie bläst auch nachts, wenn die Sonne nicht auf die Solaranlagen auf den Dächern scheint. Zudem brauchen Windkraftanlagen weniger Fläche als Freiflächensolaranlagen, stören die Landwirtschaft kaum. Sie fördern lokale Wertschöpfung und Energieunabhängigkeit. Über die gesetzliche Kommunalbeteiligung würden die Anlagen sogar viele hunderttausend Euro für kommunale Projektefreisetzen. 19 Standorte in Krefeld wurden in den im Klimaausschuss vorgestellten Untersuchungen für besonders prüfungsbedürftig erachtet. Für möglichst viele sollten kurzfristig Investitionszusagen und Bauanträge auf den Weg gebracht werden. Dafür braucht es für die Investoren vor allem auch verbindliche Perspektiven der Politik. 

Projekt 3) Geothermales Fernwärmenetz Hüls Zentrum: Die Wärmeversorgung von Hüls Zentrum ist nicht leicht. Die verdichtete Bebauung spricht für ein Fernwärmenetz, die Anbindung an das vorhandene Netz ist aber schwierig. Auf Wasserstoff zu hoffen ist ein gefährliches und teures Glücksspiel. Da trifft es sich gut, dass der Geologische Dienst bei der Probebohrung am alten Stadthaus Anfang 2025 für Geothermie gut geeignete Kalkschichten gefunden hat. Diese (oberflächliche) Schicht führt in Hüls ca. 40 Grad warmes Wasser. Zum Anheben der Temperatur ist eine Großwärmepumpe notwendig. In 2000 m Tiefe liegt die Massenkalkschicht, die 70 Grad warmes Wasser liefern könnte. Zusätzlich hat der Geologische Dienst im November 2025 mit einer Probebohrung in Kempen die Eignung des Untergrundes für Wärmespeicherung bewiesen (siehe Blog 57). Gute Voraussetzungen also für ein emissionsfreies lokales Fernwärmenetz! Das Gebiet soll im Rahmen der Wärmeplanung als Prüfgebiet näher untersucht werden. Dies sollte intensiv gefördert werden. Eine lokale Seismik wäre nötig. Die gegenseitige Blockierung von Erkundungsberechtigtem und SWK sollte überwunden werden. 

Projekt 4) Unterstützungsportfolio für Sanierung, Heizungstausch und lokale Netze: Wer sein Haus energetisch sanieren will, läuft derzeit von Pontius nach Pilatus. Viele trauen sich gar nicht anzufangen. Die Planung und Koordination lokaler Wärme- oder Kältenetze, die sich in vielen Bereichen lohnen würde, ist noch schwieriger. Was gebraucht wird, ist ein Netzwerk aus Beratern, Koordinatoren, Finanzinstituten und Anbietern, welches niedrigschwellig „individuelle Komplettpakete“ entwickeln hilft. Viele Städte machen Schritte in diese Richtung („One-Stop-Shops“, Sparkassenkooperationen etc.), von denen man lernen kann. Akteure wie Stadtverwaltung, SWK, Berater, Verbände wie „Haus und Grund“, Sparkassen, Installateure können solch ein Konzept gemeinsam entwickeln. Die Politik sollte dies auf den Weg bringen und unterstützen. Die Stadtverwaltung ihre Vorbildfunktion durch Sanierung der städtischen Liegenschaften konsequent fortsetzen. 

Projekt 5) Abwasserwärmeprojekte Krefeld: Mit dem Abwasser fließt derzeit warmes Wasser in den Rhein. Die Wärme könnte genutzt werden. Die SWK haben dazu schon die Möglichkeit einer Großwärmepumpe im Zu- oder Ablauf des Klärwerkes untersucht. Eine zweite Möglichkeit ist die Nutzung der Wärme in lokalen Hauptsammlern für die Fernwärme oder lokale Netze. Dazu hat die KBK schon Überlegungen angestellt. Für die Umsetzung könnte Rückenwind aus der Politik helfen. 

Projekt 6) Umsetzung der Radwegeplanung Krefeld: Das ist eigentlich ein „alter Hut“ und als Rahmenplan am 6. Mai 2025 im Rat beschlossen. Es kommt aber schwer voran. Einzelmaßnahmen müssen beschlossen werden, Voraussetzungen für die Umsetzung geschaffen werden. Da ist politischer Nachdruck gefragt. Über den Nutzen der Radverkehrsförderung für Aufenthaltsqualität, Gesundheit und Klima sind sich doch eigentlich alle einig. 

(Punkt 3 leicht geändert am 5.12.2025)

In verstreuten Blogs werde ich in den nächsten Wochen einzelne Projekte noch detaillierter unter die Lupe nehmen. 

Es würde mich freuen, wenn diese Aufstellung dazu motivieren könnte, Energiewendeprojekte trotz knapper Kassen (obwohl wir doch langfristig dadurch sparen!) und scheinbar nachlassender Priorität in der öffentlichen Wahrnehmung weiter voranzutreiben. Immerhin halten in Umfragen unverändert über die Hälfte der Befragten Klimaschutz für sehr wichtig. Vielleicht verlassen sich inzwischen zu viele darauf, dass das Bewusstsein dafür auch bei allen Entscheidungsträgern angekommen ist und die Umsetzung auf dem Weg ist. In Krefeld sind wir dafür eigentlich in einer sehr guten Position. Wir dürfen nur nicht erlahmen!