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8 Kommunale Wärmeplanung – ohne geht es nicht

8 Kommunale Wärmeplanung – ohne geht es nicht

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

In Krefeld steht die Wärmeversorgung für 65% des Energiebedarfes (sogar nach der Herausnahme der EST-Großbetriebe aus der Bedarfsstatistik). Damit ist sie zur Erreichung der Klimaneutralität in Krefeld eines der wichtigsten Themen.

Die Wärmeversorgung ist der größte Berg auf dem Weg zur Klimaneutralität

Dennoch rückte leider, im Gegensatz zu Nachbarländern wie Dänemark, Österreich, Niederlande oder der Schweiz, die Bedeutung der kommunalen Wärmeplanung in Deutschland erst in den letzten Jahren ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Ein wesentliches Hemmnis war bisher die fehlende CO2-Bepreisung und damit auch die unzureichende Wirtschaftlichkeit. Das ändert sich jetzt: Durch die EU-Emissionszertifikate (siehe Blogbeitrag "Umgehendes Handeln...." vom 11.1.2023) sind steigende Emissionspreise – und damit unaufhaltsam steigende Heizkosten - garantiert.

Frühzeitiges Handeln spart besonders viele spätere Kosten - und soziale Verwerfungen!

 

Ein Kurzgutachten des Umweltbundesamtes (UBA) fasst den derzeitigen Kenntnisstand kurz zusammen (Link siehe unten). Hier einige Auszüge:

Die Wärmeplanung ist kompliziert, da sehr viele Akteure einbezogen werden müssen (Mieter, Vermieter, Firmen, Versorger, Verwaltung uva.). Auch innerhalb der Stadtverwaltung sind viele Bereiche betroffen.

Ziel der Wärmeplanung ist ein „Kommunaler Wärmeplan“, der sowohl Erzeuger als auch Verbraucher gleichermaßen betrachtet. Es ist zudem ein auf viele Jahre angelegter Multi-Akteurs-Prozess.

 

Energiesparen und erneuerbare Energiequellen sind gleichermaßen notwendig!

Das Ziel einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung lässt sich nur sinnvoll erreichen, wenn der Wärmebedarf der Gebäude mittels Energieeffizienzmaßnahmen drastisch gesenkt wird und gleichzeitig erneuerbare Energiequellen oder Abwärmepotentiale für den Restbedarf erschlossen werden. Es gibt kein „entweder – oder“. Hohe Effizienzstandards senken nicht nur den Bedarf sondern ermöglichen auch erneuerbare Energieversorgung (Niedertemperatur- Wärmenetze).

Es ist dabei weitgehend anerkannt, dass Wärmenetze (Fernwärme) eine Schlüsselrolle bei der Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energiequellen spielen, da erst dadurch Wärmequellen wie tiefe Geothermie, Industrieabwärme, Großspeicher oder Freiflächen-Solarthermie erschlossen werden können. Erfreulicherweise hat Krefeld bereits ein Fernwärmenetz, welches aber massiv ausgebaut werden muss. 

Auch erneuerbarer Strom wird einen wachsenden Beitrag zur Versorgung mit Wärme leisten (z.B. Wärmepumpen in dezentralen Gebieten, wo Fernwärme nicht hinkommt).

 

Effizienz und Versorgung hinken den Klimaschutzzielen weit hinterher

Die derzeitige Sanierungsrate (Dämmung von Wohnungen etc.) von 1% reicht bei weitem nicht für das Bundesziel der Klimaneutralität in 2045 und erst recht nicht für das Krefelder Ziel in 2035. Laut dem Gutachten "KrefeldKlimaNeutral 2035" sind 5% erforderlich ("all electric Szenario"). Auch der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmebereitstellung verharrt auf niedrigem Niveau (bundesweit ca. 15%, in Krefeld geringfügig mehr). 

Folgende Aufgaben werden in dem UBA-Gutachten identifiziert:

  • Erstellung von Wärmekatastern, die Bedarfe und Angebote erfassen und verknüpfen
  • Planung und Ausbau von Wärmenetzen (Fernwärme)
  • Dekarbonisierung der Wärmenetze (Geothermie, Abwärme, Solarthermie etc.)
  • Einbeziehung von Abwärmepotentialen (dazu ist eine Berücksichtigung der EST-Betriebe notwendig).
  • Mittelfristiger Rückbau der Gasversorgung (um parallele Netze aufzulösen)
  • Treibausgasneutrale Wärmeversorgung für Bestandsgebiete mit dezentraler Versorgung (Wärmpumpen etc.)
  • Treibhausgasneutrale Wärmekonzepte für Neubaugebiete (verpflichtende Wärmeplanung)
  • Ermittlung von Flächenbedarfen für Erzeugungsinfrastrukturen erneuerbarer Energie
  • Bewirtschaftung des Untergrundes (Geothermiebohrungen)
  • Konzepte für ambitionierte Gebäudesanierung und entsprechende Unterstützung
  • Schulterschluss von Kommune und Versorgern, v.a. SWK
  • Prüfung aller kommunaler Regelungsmöglichkeiten (Planungsauflagen, Nutzungsgebote etc. aber auch Förderungen)
  • Know-how-Aufbau bei Verwaltung und Bürgern
  • Überregionale Unterstützungen und Förderungen erschließen
  • Überregionalen Regelungsbedarf einfordern

Immer vom Ende her denken: Wie kann die treibhausgasneutrale Versorgung am Ende aussehen?

(Link zum UBA-Kurzgutachten: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/kurzgutachten-kommunale-waermeplanung)