Aktuelles aus der NABU-Gruppe Brüggen

9 Tiefengeothermie ist eine große Chance für Krefeld

9 Tiefengeothermie ist eine große Chance für Krefeld

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Foto/Grafik: NABU Krefeld/Viersen Amelie Waletzke

Wie im letzten Beitrag dargestellt, ist die Bereitstellung von klimagasfreier Wärme (v.a. für die Wohnungsheizung) von größter Bedeutung. Wegen des großen Anteils der Wärme an den Gesamtemissionen, kann und muss hier sehr viel CO2 eingespart werden.

Woher soll die Wärme kommen? Besonders im Winter scheidet die Sonne aus (Wärmespeicherung ist sehr teuer und nur begrenzt möglich). Windenergie sollte besser direkt als Strom genutzt werden und steht in Krefeld auch nur begrenzt zur Verfügung. Biomasse stellt heute einen relevanten Anteil und wird das in Zukunft auch tun. Dennoch ist die Verfügbarkeit gerade in Krefeld flächenmäßig begrenzt und die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion muss stets abgewogen werden.

 

Fast grenzenlos viel Wärme liegt unter unseren Füßen

Das Erdinnere ist heiß und enthält genug Energie, um uns für Jahrhunderte mit Wärme zu versorgen. Allerdings muss man sehr tief bohren, um die Wärme nutzen zu können. Die Temperatur der Erdkruste steigt in der Tiefe um 3°C je 100 Meter an. Ab 400 m Tiefe bezeichnet man die Wärme aus der Tiefe als „Tiefengeothermie“. Die oberflächlichere Wärme kann mit Wärmepumpen genutzt werden, z.B. für die Heizung von Einfamilienhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern.

In 2.500 m Tiefe ist Wasser mit einer Temperatur von 70 bis 100°C zu finden – genug, um in ein (entsprechend angepasstes) Fernwärmenetz eingespeist zu werden. In 5.000 m Tiefe werden Temperaturen von über 150°C erreicht, womit auch Strom erzeugt werden könnte.

Vorteile der Tiefenwärme sind: Sie ist zeitlich rund um das Jahr Tag und Nacht verfügbar (grundlastfähig). Sie ist sehr verlässlich und jahrzehntelang nutzbar. Sie hat wenig Platzbedarf und ist praktisch emissionsfrei im Betrieb.

 

Warum wird Tiefenwärme noch so wenig genutzt?

Der Hauptgrund ist, dass sie nicht überall günstig verfügbar ist: Die Wärme darf nicht zu tief liegen und die Tiefenwasserverhältnisse müssen günstig sein. Sie muss in der Nähe der Nutzer vorhanden sein. Bohrungen sind zudem sehr teuer (viele Mio. Euro) und es besteht immer ein Risiko, dass sie erfolglos sind.

Außerdem gab es in der Anfangszeit ungünstige Umweltauswirkungen, die aber inzwischen, mit mehr Erfahrung, technisch beherrschbar sind.

Manche Städte gehen deshalb schon voran: München z.B. hat schon sechs Tiefenbohrungen in Nutzung und erzeugt damit Wärme für über 100.000 Haushalte. Ein weiterer Ausbau ist geplant (bis zu 70% des Wärmebedarfes der Wohnungen soll gedeckt werden).

 

Tiefenwärmenutzung ist in Krefeld möglich!!!

Bisherige Erkenntnisse zeigen, dass Krefeld mit erfreulich günstigen geologischen Voraussetzungen rechnen kann. Noch im Herbst 2022 erkundete das Geologische Landesamt mit seismischen Untersuchungen (Vibrations-Trucks) den Untergrund. Mit den Ergebnissen wird im Sommer 2023 gerechnet. Weitere Untersuchungen wären allerdings notwendig, bevor konkret gebohrt werden kann. Diese werden zeigen, an welchen Stellen genau Wärme wirtschaftlich gewonnen werden kann und ob an diesen Stellen eine Einspeisung in das Fernwärmenetz möglich ist.

Es gab 2011 bereits ein Projekt, welches Erdwärmebohrungen zur Strom- und Wärmeproduktion zum Ziel hatte. Es scheiterte damals kurz vor Realisierung an veränderten überregionalen Rahmenbedingungen, die damals gegen das Fracking gerichtet waren. Die Zeiten haben sich geändert. Es ist höchste Zeit, das Krefelder Tiefenwärme-Projekt wieder aufleben zu lassen.

(detailliert zum Thema z.B.: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/effiziente-fernwaermeversorgung-mit-niedertemperaturwaerme)