Amphibienschutz

In jedem Frühjahr, während der Amphibienwanderung, fielen in der Vergangenheit Hunderte von Erdkröten, Grasfröschen und Molchen dem Autoverkehr zum Opfer.

In einem ersten Projekt beschloß die Gruppe Niederkrüchten Ende 2013, einen Amphibienfangzaun am Schwalmweg, zwischen Overhetfeld durch die Schwalmaue zur Landstraße nach Swalmen, zu errichten, um die Tiere einzusammeln und sicher über die gefährliche Straße zu bringen. Außerdem sollten alle relevanten Daten der Wanderung erfasst werden, damit für die Zukunft nachhaltige Schutzmaßnahmen geplant werden können.

Ein zweites Projekt folgte im Jahr 2019. Hier sollte die Dilborner Amphibienpopulation an der Dilborner Straße mit einer dauerhaften Anlage geschützt werden. Drei Röhren leiten die von Süden her ziehenden Amphibien sicher auf die Nordseite der Straße, um dann die Laichgebiete in den Dilborner Benden zu erreichen.

Wandernde Amphibienarten unserer Region

Das Artenspektrum der in den letzten Jahren gefundenen Amphibien erstreckt sich auf die folgenden Ar­ten. Ein Klick auf das Foto führt zum jeweiligen Artenportrait.

 

Erdkröte
Erdkröte (Bufo bufo)
 

       Grasfrosch
Grasfrosch (Rana temporaria)

Teichfrosch
Teichfrosch (Rana esculenta)
 

 Bergmolch
Bergmolch (Ichthyosaura alpestris)
Teichmolch
Teichmolch (Lissotriton vulgaris)
 Fadenmolch
Fadenmolch (Lissotriton helveticus)

Ergebnisse der Schutzmaßnahmen 2020

Insgesamt wurden während der Amphibienwanderung 2020 in den Bereichen "Schwalmweg" und "Dilborner Straße" 3.619 Amphibien morgens und abends eingesammelt und sicher über die Straße gebracht. Die Anzahl überfahrener Amphibien konnten nicht verlässlich erfasst werden.

Der Anteil der Erdkröten war mit 78,64 % am größten, gefolgt von den Grasfröschen mit 20,64 %, der Rest verteilte sich auf Teichfrösche und verschiedene Molcharten.

Die hohen Wanderaktivitäten in 2020 rechtfertigen die Fortsetzung beider Maßnahmen in den nächsten Jahren. Die Anlage von permanenten Schutzzäunen sollte in Erwägung gezogen werden.

Im Rahmen der Betreuung des Amphibienzauns "Dilborn" wurde festgestellt, dass deutlich über 100 Amphibien bei der Rückwanderung auf die Straße gerieten und überfahren wurden. Als Grund hierfür konnten diverse Lücken im auf der Seeseite fest installierten Kunststoffzaun ausgemacht werden. Diese wurden notdürftig geschlossen. Eine Erneuerung des dort befindlichen Amphibienzaunes erscheint aufgrund der altersbedingten Materialermüdung u. E. dringend notwendig.

An dieser Stelle vielen Dank an Mario Doetsch, der die Ergebnisse unserer Zählungen dokumentiert und in einem Abschlussbericht zusammengefasst hat:

Abschlussbericht 2020

Einen herzlichen Dank auch an alle Helferinnen und Helfer, welche die täglichen Kontrollen der Amphibienanlagen durchgeführt haben!

Ebenfalls ein Dankeschön an den jeweiligen Bauhof der Gemeinden Brüggen und Niederkrüchten, die während der Zeit der Amphibienwanderung Warnschilder für den Straßenverkehr aufstellen!

Da wir auch in den kommenden Jahren unseren Amphibienschutz weiterführen, sind wir natürlich immer sehr froh, wenn wir in der Zeit der Amphibienwanderung, meist Mitte Februar bis Anfang April, freiwillige Helfer finden, die uns bei der täglichen Kontrolle der Sammeleimer helfen. Spätestens Mitte Januar werden wir wieder einen Aufruf starten, auf den sich die Helferinenn und Helfer melden können, damit wir eine gemeinsame Planung der täglichen Kontrollen vornehmen können.

Amphibienschutz am Schwalmweg
Foto: Mario Doetsch

Straßen teilen Lebensräume

Der Lebensraum unserer Amphibien ist größer als wir denken und oftmals ist der Weg zum Laichgewässer durch menschliche Bauwerke gestört. Straßen durchziehen die Lebensräume und werden zur Todeszone für unsere wandernden Amphibien. Aber nicht nur die Straße an sich, auch die Zunahme des Straßenverkehrs bedeutet eine hohe Gefährdung unserer Amphibien. Laut einer Studie werden im Frühjahr 90 Prozent wandernder Erdköten überfahren, haben wir eine Verkehrsdichte von 60 Autos pro Stunde.

Sehr interessant ist auch das Interview mit Prof. Dietrich Hummel zu Verkehrstod der Amphibien: 
"Tempo 30 für Kröten und Frösche".

Als Amphibien oder Lurche bezeichnen wir diejenigen Landwirbeltiere, die sich nur in Gewässern fortpflanzen können. Im Frühjahr zieht es die erwachsenen Tiere in die Feuchtgebiete. Die sich im Wasser entwickelnden Larven, die bei Froschlurchen Kaulquappen genannt werden, atmen zunächst mit Außenkiemen. Erst nach einiger Zeit tritt eine Metamorphose ein, in der sie sich hormongesteuert zum lungenatmenden, skelettgestützten Tier umformen, welches das Gewässer verlassen kann. Nach der Eiablage ziehen die Tiere wieder in ihre trockeneren Lebensräume. Eine Zeit, in der eine gefährliche Wanderung in zwei Richtungen erfolgt.

Ein zusätzliches, jedoch nur wenig bemerktes Problem ist, dass viele Amphibien in Dörfern und an Stadträndern in die Lichtschächte von Kellerfenstern, Kellertreppen, ungesicherte Brunnenschächte oder auch in Straßengullys fallen. In diesen, von Menschenhand geschaffenen Kulturfallen verenden die meisten Tiere durch Verhungern oder Vertrocknen.

Schutzmaßnahmen

In erster Linie gilt es die Gebiete zu identifizieren, in denen viele Amphibien auf ihrem Weg zum Laichgewässer Straßen überqueren müssen. An solchen Straßenabschnitten können dann verschiedenste Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Amphibien vor dem Straßentod zu schützen. Einzelne überfahrene Amphibien sind vielerorts das ganze Jahr über zu finden und kaum zu schützen. Wird jedoch der Wanderweg einer Amphibienpopulation zum Laichgewässer von einer Straße gekreuzt, können jährlich mehrere hundert bis tausend Amphibien betroffen sein. An solchen Straßenabschnitten sollten Maßnahmen ergriffen werden, die man, ganz grob betrachtet, wie folgt beschreiben kann.

Der Rückbau von Straßen
Durch den zunehmenden Straßenverkehr werden vielerorts Umgehungsstraßen gebaut, welche die innerörtlichen Straßen entlasten oder im besten Fall sogar unnötig machen. In solchen Fällen ist der Rückbau ganzer Straßenabschnitte sicherlich die provokanteste, aber auch sinnvollste Schutzmaßnahme in Wandergebieten unserer Amphibien.

Temporäre Straßensperrungen
Eine solche Regelung ist aus Gründen des Artenschutzes sogar in der Straßenverkehrsordnung abgesichert. Dazu können mit Genehmigung der Verkehrsbehörde die betroffenen Straßenabschnitte in den Abend- und Nachtstunden für den Verkehr gesperrt werden. Diese Maßnahme ist jedoch nur bei geringem Verkehsaufkommen und bei möglichen Umleitungsstrecken durchsetzbar. Sie setzt ein hohes Maß an Akzeptanz und Verantwortungsbewusstsein der Anwohner voraus.

Dauerhafte Schutzanlagen
Sie werden entlang der betreffenden Straßenabschnitte fest aus Beton, Stahl oder Kunsstoffbauteilen in Form von Leiteinrichtungen konstruiert und die Tiere können zu Tunneldurchlässen geführt werden, die ein Unterwandern der Straße ermöglichen. Nicht nur unsere Amphibien profitieren von solchen Leitsystemen, auch der Igel hat seinen Nutzen. Der große Vorteil, dieser teuersten Form des Amphibienschutzes liegt in der ganzjährigen Funktionsweise und den relativ geringen Betreungsaufwänden. Bei der Neuplanung von Straßen gehört die Untersuchung von Amphibienwanderungen heute zum Standard. Der nachträgliche Bau fest installierter Schutzanlagen ist meist schwierig in der Genehmigung und mit hohen Kosten verbunden.

Temporäre Krötenzäune
Sie sind eine jahreszeitlich begrenzte Methode, alle Arten wandernder Amphibien auf ihrem gefährlichen Weg zu schützen. Die meist 50 cm hohen Kunststofffolien werden parallel und beiderseits der Straße aufgebaut und leiten die Amphibien in eingegrabene Auffangbehälter. Die gefangenen Amphibien werden registriert (Anzahl, Art, Geschlecht) und auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder ausgesetzt. Diese Methode ist jedoch sehr arbeitsaufwändig, müssen die Fangbehälter mindestens einmal am Tag kontrolliert werden, dabei liefern die registrierten Daten jedoch sehr gute Erkenntnisse, um vielleicht aus einer temporären Einrichtung eine dauerhafte machen zu dürfen. Für den erfolgreichen Betrieb eines Krötenzaunes bedarf es einer guten Einsatzplanung vieler Helfer, die in den frühen Morgen- und späteren Nachmittagsstunden die Kontrolle, Registrierung und Umsetzung der Amphibien vornehmen.

Verantwortungsvolle Autofahrer
Oftmals werden in solchen Wanderungsgebieten Wanrschilder aufgestellt, um den Autofahrer rechtzeitig zu informieren und um seine besonnene Fahrweise zu bitten. Das Einhalten der gebotenen Geschindigkeit ist wichtig, auf abrupte Brems- oder Ausweichmannöver sollte verzichtet werden, weil diese mehr Gefahren für den Autofahrer oder andere Verkehrsteilnehmer mit sich bringen könnten. Auch die Helfer, die die Kontrolle der Krötenzäune vornehmen, begeben sich entlang befahrener Straßen in Gefahr und können nur auf die Besonnenheit und Rücksichtnahme der Autofahrer hoffen. Besonders lobenswert sind die Autofahrer, die während der Zeit der Amphibienwanderung u. U. auch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen und die betreffenden Straßenabschnitte gänzlich meiden.